Kindergarten für Hochbegabte:Wo die kleinen Schlauen spielen

Lesezeit: 3 min

"Es geht nicht um die Heranzüchtung von Leistungseliten": Die Karg-Stiftung fördert Projekte für Hochbegabte - zu früh ist es dafür nie. Zu Besuch in einer besonderen Kita.

Johann Osel

Darf man den Schnee von da draußen in den Mund nehmen, möchte Erzieherin Johanna Nohl von den Kindern wissen. Für Christoph ist der Fall klar: "Der kommt vom Himmel, und der Himmel ist ja sauber", behauptet er - und verzieht wenige Minuten angewidert das Gesicht. Da schmilzt Johanna Nohl den Schnee, den sie in einer Schale aus dem Garten der Kindertagesstätte geholt hat, mit einer Kerze. Es bleibt eine unansehnliche Brühe, in der schwarze Klümpchen Dreck schwimmen.

Kindergarten für Hochbegabte: Hochbegabte und Kinder aus einem Problembezirk spielen und lernen in der Nürnberger Kita der Karg-Stiftung gemeinsam. Jedes Kind, egal ob vom oberen oder unteren Spektrum der Leistungsskala, sollte gemäß seinen Fähigkeiten gefördert werden, lautet das Credo.

Hochbegabte und Kinder aus einem Problembezirk spielen und lernen in der Nürnberger Kita der Karg-Stiftung gemeinsam. Jedes Kind, egal ob vom oberen oder unteren Spektrum der Leistungsskala, sollte gemäß seinen Fähigkeiten gefördert werden, lautet das Credo.

(Foto: Karg-Stiftung)

Acht Kinder, drei bis fünf Jahre alt, sind gekommen zum Naturkunde-Unterricht mit Frau Nohl, einer liebenswürdigen, mütterlichen Dame mit fränkisch gerolltem "R". Dass den Kleinen die Experimente gefallen, sieht man schnell: staunende Augen, einige lutschen am Finger vor Anspannung, wippen hin und her. Und dass eine Kita ein solches Programm bietet, ist in der Nürnberger Karg-Kita nicht außergewöhnlich: Die Hälfte der Kinder dort gelten als hochbegabt.

Doch es sieht zunächst aus wie in einer gewöhnlichen Einrichtung. Da sind aufgekratzte und stillere Buben und Mädchen, die Biene-Maja-Gummistiefel tragen, Häschen-Pullis oder rosa Haarspangen. Hinter dem Konzept steht die Frankfurter Karg-Stiftung, die sich dem Thema Hochbegabung verschrieben hat. In der normalen Kita könnten sie - müssen es freilich nicht - Außenseiter werden, sagt Leiter Reinhard Ruckdeschel. Zum Projekt gehört neben der einen Hälfte Hochbegabter aber auch die andere: sie stammt aus der Nachbarschaft. St. Leonhard gilt als Problembezirk, viele Migranten, viele Hartz-IV-Familien. Die Hochbegabten können die Kinder aus dem Viertel hochziehen, so die Idee, und daneben "gesellschaftliche Realität erleben".

Im Alltag, sagt Ruckdeschel, sei dies gar kein Problem. "Fähigkeiten einzuschätzen geschieht bei Kindern in dem Alter noch völlig wertfrei. Der eine kann bis 100 rechnen, der andere dafür schneller rennen oder Purzelbäume schlagen." Laut Ruckdeschel geht das Konzept auf: Die Hochbegabten werden bestmöglich gefördert, und von den anderen kämen später meist Meldungen aus der Grundschule, dass sie dort erfolgreich sind.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB