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Jungenförderung:Von Kochen bis Fensterputzen

Diaz: Lehrer sind ja nicht automatisch geschlechtersensibler, und nicht jeder Mann taugt als Vorbild. In der Grundschule arbeiten fast ausschließlich Lehrerinnen, aber es gibt kaum Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen - die kommen erst später. Dennoch: Mehr Männer als Rollen-Modelle sind wichtig.

SZ: Wie versuchen Sie, Jungen für Geschlechterrollen zu sensibilisieren und ihre Zukunftschancen zu erhöhen?

Diaz: Wir haben zum Beispiel einen "Haushaltparcours" entworfen, bei dem sie acht Stationen durchlaufen, von Kochen bis Fensterputzen. Sie lernen da ihre Stärken und Schwächen kennen und erproben ihre Soft Skills. Das ist nicht nur für spätere Partnerschaften wichtig, sondern auch für die Berufe, in denen noch Nachwuchs gesucht wird - wie Altenpfleger oder Erzieher. Die Schüler machen bei solchen Projekten in der Schule oder im Jugendzentrum gerne mit - sofern sie unter sich sind. Sie wissen durchaus, dass sich um sie herum alles ändert und dass auch sie sich ändern müssen. Wir müssen sie nur auf die Idee bringen, Neues auszuprobieren.

SZ: Heißt das, dass der "Girls' Day" mittlerweile überflüssig und es höchste Zeit für einen "Boys' Day" ist?

Diaz: Nein, wir wollen den Girls' Day nicht abschaffen. Auch Mädchen brauchen diese Räume, um für sie Ungewohntes wie Technik und IT zu erproben. Aber man könnte ihn erweitern, indem beide Geschlechter sowohl die Feuerwehr als auch ein Altenpflegeheim besuchen - freilich in getrennten Gruppen. Ob Projekttag, Exkursion oder Praktikum: Wichtig ist, dass die Schulen den Mädchen und Jungen eine Möglichkeit bieten, in gegengeschlechtliche Berufe und Bereiche hineinzuschnuppern. Die Verengung auf sogenannte Frauenberufe und Männerberufe ist das Problem.