Job Youtuber als Beruf: Hallo, ihr Lieben

Youtuber LeFloid interviewte 2015 Kanzlerin Angela Merkel.

(Foto: AFP)

Computertricks, Schminktipps oder einfach nur Blödsinn: Auf der Videoplattform Youtube plaudern Selbstdarsteller über ihren Alltag. Manche können davon leben.

Von Johannes Lohmaier und Fabian Schäfer

Nele Struckhof sitzt vor einer Fotowand. Pferde, ihr Schäferhund, Familienbilder. Sie blickt direkt in die Handykamera und sagt: "Hallo, meine Hübschen da draußen." Die 16-jährige Hamburgerin spricht über Streitereien mit ihren Eltern. Zu spät nach Hause kommen, schlechte Noten, Zimmer aufräumen - Themen, die Teenager bewegen. Nur dass Nele nicht ihren Freunden davon erzählt, sondern ihren 369 Abonnenten. Denn Nele ist Youtuberin. Auf ihrem Kanal veröffentlicht sie alle drei bis fünf Tage ein neues Video. Sie testet Pokémon-Go, gibt Basteltipps oder erzählt "die peinlichste Geschichte" ihres Lebens.

Nele Struckhof steht noch ganz am Anfang ihrer Youtube-Karriere, die sie vor einem Jahr gestartet hat. Andere Creator, wie sich die Videomacher selbst nennen, haben Millionen Zuschauer. Sie werden wie Popstars verehrt. Viele junge Youtuber wollen genau das. Doch der Weg zum Internetstar ist mühsam. Den wenigsten gelingt es, von Youtube zu leben.

Geschafft hat es Bianca Heinicke vom Schmink-Kanal "Bibis Beauty Palace". 3,7 Millionen Abonnenten verfolgen ihre Videos mit Make-up-Tipps. Inzwischen verkauft die 23-Jährige einen eigenen Badeschaum. Mindestens genauso gut vermarkten sich die Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann alias "Die Lochis": 2011 starteten die heute 17-Jährigen ihren Kanal. Im vergangenen Winter lief ihr Film "Bruder vor Luder" in den Kinos, gerade ist ihr zweites Album mit eigenen Songs erschienen.

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Frag ein Klischee

"Hast du Angst vor einer Zeit nach Youtube?"

Mit mehr als drei Millionen Abonnenten zählt Dagi Bee zu den erfolgreichsten Youtuberinnen Deutschlands. Warum ihr Job nichts mit Selbstinszenierung zu tun hat, erklärt sie bei "Frag ein Klischee".

Das Musik- und Comedy-Duo gilt als deutsches Aushängeschild des Millionen-Business Youtube. Die Videoplattform ist ihr Arbeitsplatz, ihr Geld verdienen sie einerseits mit Werbung in den Videos. 1000 Klicks sollen 35 Dollar bringen, heißt es. Hinzu kommen Einnahmen aus Produktplatzierungen und Fanartikeln. Wie viel Geld dabei zusammenkommt, darüber schweigen die Youtube-Stars. Doch fest steht: Aus dem Hobby ist für die Videomacher ein Beruf geworden.

Einer, der das auch schaffen will, ist Pachuco. Der 27-jährige Münchner stellt sich mit dem Namen seines Kanals vor. Dabei heißt er eigentlich Marlon Brugger Hernandez. Pachuco spricht schnell und kokettiert mit anzüglichen Sprüchen über Frauen. Er sagt, was er denkt - auch wenn das nicht immer bei allen gut ankommt. Authentizität sei ihm wichtig. "Was mich am meisten am Fernsehen nervt, ist, dass es nicht ehrlich ist", sagt er. Deshalb will er sein Geld als Youtuber verdienen, sein eigener Chef sein. Der größte Wunsch: Einmal um die Welt reisen und davon auf Youtube erzählen.

Pachucos Kanal hat erst 1133 Abonnenten. Um richtig erfolgreich zu werden, hat er sein ganzes Leben auf die Karriere ausgerichtet. Ständig ist er in den sozialen Netzwerken aktiv. Während des Gesprächs schickt er Videogrüße an seine Fans auf Instagram. Vor dem Schlafengehen chattet er auf Snapchat mit der "Pachucommunity", wie er seine Fans nennt. "Ich würde nicht so viel posten, wenn ich nicht wüsste, dass es mir etwas bringt."