Job Der Notar

Der Notar

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Wenn zum Beispiel ein Vater seinem Sohn ein handschriftliches Testament hinterlässt, kann er ihm auch ungewollt Schaden zufügen. Er hat womöglich dabei vergessen, dass nicht nur Vermögen, sondern auch die Schulden eines Verstorbenen auf die Nachfahren übertragen werden. Sehr wichtig sind auch die Formalitäten: "Manchmal fehlt bei handgeschriebenen Testamenten die Unterschrift", sagt die Bonner Notarin Thekla Schleifenbaum. "Es ist auch schon vorgekommen, dass unter einem Testament einfach nur ,Mama' anstelle des bürgerlichen Namens steht." Solche Testamente sind ungültig.

Wenn ein Eigentümer sichergehen will, dass sein Häuschen später dem Menschen zufällt, den er dafür auserkoren hat, wendet er sich an einen Notar. Zu dessen Aufgaben gehört neben Beurkundungen im Immobilienrecht, Familienrecht sowie im Gesellschafts- und Handelsrecht auch das Erbrecht. Notare beraten ihre Klienten im Hinblick auf den individuellen Inhalt des Testaments, sorgen dafür, dass es die korrekte Form hat, klar formuliert ist, registriert und beim Nachlassgericht hinterlegt wird.

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Gerechtigkeit

Alle sollen erben

Nie wurde in Deutschland so viel vererbt wie heute. Doch diese Milliarden spalten das Land. Deshalb muss jeder etwas von seinem Erbe abgeben.   Essay von Christian Endt und Pia Ratzesberger

"Ein gut durchdachtes notarielles Testament bedeutet für Erben weniger Bürokratie und mehr Sicherheit", sagt Schleifenbaum. Abgesehen davon findet es die promovierte Notarin "sehr interessant, welche Vielfalt an Möglichkeiten das deutsche Erbrecht für die Gestaltung des Testaments bietet". Mit einem eröffneten notariellen Testament können die Erben unmittelbar zum Grundbuchamt marschieren und sich als Eigentümer des Häuschens eintragen lassen. Liegt nur ein handschriftliches Dokument vor, muss man zuerst einen Erbschein beantragen, was aufwendig und kostspielig ist.

Wer hauptberuflich als Notar arbeiten möchte, muss nach dem zweiten juristischen Staatsexamen ein Auswahlverfahren bestehen. Danach absolviert man den Anwärterdienst als Notarassessor im jeweiligen Bundesland. "Dieser dauert in der Regel drei Jahre, erst danach kann man sich als Notar bewerben", sagt Schleifenbaum. In einigen Bundesländern, zum Beispiel in Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, kann man nur nebenberuflich als Notar arbeiten und ist hauptberuflich als Rechtsanwalt tätig.

Und wenn das geerbte Haus wieder veräußert werden soll? Nachdem Käufer und Verkäufer sich geeinigt haben, arbeitet der Notar auf der Basis der Informationen, die er von ihnen erhalten hat, den Kaufvertrag aus. Er sorgt dafür, dass der Käufer erst dann bezahlt, wenn feststeht, dass er eine schuldenfreie Immobilie erwirbt. Und er kümmert sich darum, dass der Verkäufer sein Eigentum erst abgibt, nachdem der Kaufpreis bezahlt wurde. Hier kommt also eine weitere wichtige Funktion des Notars ins Spiel - die des Treuhänders, der dafür sorgt, dass bei Kauf und Verkauf alles mit rechten Dingen zugeht.