Frage an den Jobcoach Muss ich bei jeder Feier im Büro mitmachen?

Studien haben nachgewiesen, dass Arbeitnehmer produktiver zusammenarbeiten, wenn sie netzwerken und gemeinsam feiern, sagt der Managementberater Jan Schaumann.

(Foto: Jessy Asmus)

SZ-Leserin Natalie F. möchte im Büro keinen Alkohol trinken und ist auf Diät. Vom Jobcoach will sie wissen, ob sie Sekt und Geburtstagskuchen der Kollegen immer wieder ablehnen darf.

SZ-Leserin Natalie F. fragt:

Bei uns im Betrieb werden Geburtstage, Geburten oder Hochzeiten regelmäßig mit Kuchen und Sekt gefeiert. Meistens finden sich die Kollegen dafür kurz nach der Mittagspause im Besprechungsraum zusammen. Da wir mehr als 30 Leute in der Abteilung sind, gibt es fast jede Woche etwas zu feiern. Ich hasse es, schon nachmittags Alkohol zu trinken, außerdem bin ich auf Diät. Wie feiere ich mit, ohne als Spielverderberin zu erscheinen?

Jan Schaumann antwortet:

Liebe Frau F., man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Sagt zumindest das Sprichwort. Und neben Ihren Kolleginnen und Kollegen wohl auch die Unternehmensleitung, denn die scheint die wöchentliche Sause zu unterstützen. In vielen Betrieben gibt es hierfür wesentlich restriktivere Rahmenbedingungen. So dürfen oftmals Feiern gar nicht innerhalb des Firmengebäudes stattfinden oder wenn, dann nur außerhalb der Arbeitszeit. Dass Ihr Arbeitgeber nicht nur die Party-Location bereitstellt, sondern die Feierei zudem bezahlt, indem sie während der Arbeitszeit stattfinden kann, ist schon eine Ausnahme.

Zahlreiche Studien haben nachgewiesen, dass Arbeitnehmer, die über die rein berufliche Tätigkeit hinaus miteinander netzwerken und feiern, produktiver und unterstützender zusammenarbeiten. Dies könnte ein Grund für das Gewähren der wöchentlichen Feiern sein. In welchem Rahmen und wie ausschweifend die Fete sein darf oder sollte, steht auf einem anderen Blatt.

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Insbesondere beim Thema Alkohol spielen vertragliche oder sonstige Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber eine wichtige Rolle. Da scheint in Ihrem Unternehmen jedoch alles im grünen Bereich zu sein, sodass während der Feiern - und innerhalb der Arbeitszeit - Alkohol konsumiert werden darf.

Nun kann Sie natürlich niemand zwingen, Sekt zu trinken, wenn Sie nicht wollen. Und die Zeiten sind glücklicherweise lange vorbei, in denen man im beruflichen Rahmen nur dann dazu gehörte, wenn man zumindest versuchte, als Letzter unter dem Tisch zu liegen. Wenn beispielsweise die Geburt eines Kindes gefeiert wird, geht diesem Anlass ja in der Regel eine mehrmonatige Schwangerschaft voraus. In dieser Zeit wird die betroffene Mutter höchstwahrscheinlich keinen Alkohol konsumieren, auch nicht bei einer Feier im Unternehmen. Sie könnten es diesen Kolleginnen gleichtun und schlicht und einfach statt zum Sekt zu einem alkoholfreien Getränk greifen.

Für den Fall, dass es keine nullprozentige Alternative gibt, ließe sich durch den eigenverantwortlichen Einkauf einer Flasche Saft, Limonade oder Wasser entsprechend vorbeugen. Schließlich können Sie den eventuellen Rest jederzeit ohne schlechtes Gewissen austrinken, auch wenn gerade nicht mehr gefeiert wird. Hinzu kommt, dass Sie bei der Beschaffung ausschließlich auf Ihren persönlichen Geschmack Rücksicht nehmen müssen.

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Ihrer Diät käme es natürlich nicht zugute, wenn Sie bei jeder Firmenfeier dem leckeren Kuchen zusprächen. Das verstehe ich. Ein bewährtes Vorgehen in diesem Fall ist - Sie werden es bereits ahnen - die Abstinenz. Wenn Sie das angebotene Stück Kuchen, vielleicht sogar mit dem Hinweis auf Ihre aktuelle Ernährungssituation, dankend ablehnen, müssen Sie sich über resultierende Misserfolge Ihrer Diät keine grauen Haare wachsen lassen.

Zusammenfassend lautet mein persönlicher Rat: Machen Sie sich weniger Gedanken um mögliche Missstände und negative Eventualitäten. Freuen Sie sich, dass Sie so gesellige und fröhliche Kollegen haben und feiern Sie doch einfach mal entspannt mit! Ohne Alkohol und ohne Kuchen, nur mit guter Laune. Das hilft. Bei vielem.

Jan Schaumann lebt als Managementberater, Seminarleiter und Buchautor in Berlin.

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