Homeoffice Pro und Contra Homeoffice

Vorzüge der Heimarbeit

  • Dass Menschen, die von zu Hause aus arbeiten, effektiv sind, ist wissenschaftlich belegt. Forscher der Universität Stanford haben in einem Versuch 255 Angestellte eines Callcenters in China ins Homeoffice geschickt und ihre Arbeitsleistung untersucht. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiteten, erhöhten ihre Produktivität um 13 Prozent. Sie waren seltener krank, legten weniger Pausen ein und schafften ein größeres Arbeitspensum als vorher. Auch ihre Arbeitszufriedenheit stieg an, weshalb 50 Prozent weniger Mitarbeiter kündigten als in der Vergleichsgruppe derer, die weiterhin täglich ins Büro gingen.
  • Wer zu Hause arbeitet, ist sowohl mit der Arbeit als auch mit der Freizeit überdurchschnittlich zufrieden. Das hat der Ökonom Dan Wheatley in repräsentativen Befragungen von mehr als 5000 britischen Familien herausgefunden.

Feierabend-Typen

Serienmarathoni, Komatöse und Überperformer

Nachteile der Heimarbeit

  • Da ist zunächst die Reputation: Mitarbeiter, die flexibel oder in Teilzeit arbeiten, laufen Gefahr, nicht als Leistungsträger gesehen zu werden - während die ständig anwesenden Kollegen als Top-Performer gelten, die hart arbeiten (und sich dabei zusehen lassen). Homeoffice-Arbeiter sind für die meisten deutschen Chefs quasi unsichtbar. Wer auch nur einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeitet, dem wird oft automatisch unterstellt, Karriere sei ihm unwichtig. Ganz besonders gilt das, wenn man als Grund für die Heimarbeit angibt, Job und Familie besser vereinbaren zu wollen.
  • Nicht jeder ist dazu geeignet, von zu Hause aus zu arbeiten. Manche lassen sich zu leicht ablenken und neigen dazu, täglich noch schnell die Küche zu putzen anstatt sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Homeoffice ist nur etwas für Menschen, die gut darin sind, sich selbst zu organisieren, und die über eine ordentliche Dosis Selbstdisziplin verfügen. Wem das abgeht (und die meisten Betroffenen wissen das genau), der sollte sich lieber auf die Kontrolle von Kollegen und Vorgesetzen verlassen.
  • Wer Homeoffice macht, fällt aus der internen Kommunikation raus. Klar kann man sich bemühen, täglich mit Kollegen telefonieren und wöchentlich in der Firma auftauchen. Doch dafür will eine Balance gefunden werden, um den Büro-Kollegen nicht auf die Nerven zu gehen. Die in der Firma haben nämlich oft weder Zeit noch Lust, ihre Homeoffice-Kollegen auf den neuesten Stand zu bringen.

Die Arbeitgeber-Perspektive

Doch wer all diese Nachteile für den Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden gerne in Kauf nimmt oder gar nicht erst empfindet, der kann dem Chef noch ein letztes, ziemlich überzeugendes Argument liefern: Es sind nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Unternehmen, die von flexiblen Arbeitsmodellen profitieren. Unternehmen mit flexiblen Arbeitsformen sind laut einer Studie des Economist bis zu dreimal profitabler als ihre Wettbewerber. Dieses Argument sollte auch Arbeitgeber mindestens hellhörig machen.

Die rechtlichen Grundlagen ...

... erklärt Karsten Kujath, Fachanwalt für Arbeitsrecht (GvW Graf von Westphalen):

Arbeitnehmer in Deutschland haben keinen grundsätzlichen Anspruch darauf, die Arbeit zu Hause verrichten zu dürfen. Dafür bedarf es einer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber. Die kann im Arbeitsvertrag festgeschrieben sein oder sich durch Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag ergeben.

Haben sich die Vertragspartner geeinigt, muss der Arbeitgeber als nächstes eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes durchführen, um sicherzustellen, dass der Arbeitnehmer auch am heimischen Arbeitsplatz gute Arbeitsbedingungen vorfindet und nicht krank wird. Im Einzelfall kann dazu ein Foto genügen, in dem nachgewiesen werden kann, dass der Arbeitsplatz hell genug beleuchtet ist, belüftet und den ergonomischen Bedürfnissen entspricht.

Die Abmachung über Homeoffice im Arbeitsvertrag ist rechtlich bindend, solange sie für beide Seiten funktioniert. Wenn das Arrangement aus betrieblichen Gründen nicht mehr funktioniert, kann der Arbeitgeber mit dem Mitarbeiter eine Vertragsveränderung ausmachen. Wenn der Arbeitnehmer dem nicht zustimmt, kann der Arbeitgeber auch eine Änderungskündigung aussprechen, das heißt, er kann das Arbeitsverhältnis kündigen, aber anbieten, das Verhältnis zu anderen Bedingungen fortzusetzen.

Einige Fragen sollten vorher geklärt werden: Wie kann man sicherstellen, dass Dritte keine vertraulichen Daten zu sehen bekommen? Darf der Arbeitnehmer seinen privaten Telefon- und Internetanschluss für die berufliche Tätigkeit benutzen? Wer stellt die Geräte zur Verfügung? Auch das Arbeitszeitrecht kann problematisch werden. Wie kann der Arbeitgeber gewährleisten, dass der Mitarbeiter nicht übermäßig viele Überstunden macht oder die erforderlichen Pausen einlegt?