Gute Lehrer Ein guter Lehrer ist ein Künstler

Ein guter Lehrer ist einer, der die Not von Kindern sehen kann und nicht daran zerbricht, dass er diese Not oft nur mit aushalten, aber kaum lindern kann. Ein guter Lehrer führt seine Schüler an einer langen, aber straffen Leine: Freiheiten ja, Frechheiten nein. Ein guter Lehrer lernt mit und von seinen Schülern. Er weiß, dass Erziehung zu zehn Prozent aus Information und zu neunzig Prozent aus Vorleben besteht. Ein guter Lehrer ist den Kindern nah, aber er missbraucht die Nähe nicht.

Vorurteile gegen Lehrer

Faule Säcke im Schlabberpulli

Lernen braucht Vertrauen. Ein Schüler muss die Gewissheit haben, dass er sich mit seinen Lücken und Schwächen, dass er sich mit seinen Ängsten, mit seiner Neugier und seinen Fragen zeigen darf, dass sie ihm nicht um die Ohren geschlagen werden wie ein nasses Handtuch. Das ist schwierig in einem System, in dem der Lehrer viel bewerten, Klausuren korrigieren, Noten vergeben muss - also muss sich der zu Beurteilende so gut wie möglich präsentieren. Es gibt Forschungen, die sagen, dass man das unbedingt personell trennen muss: "Lerncoach" und "Beurteiler".

Ein guter Lehrer ist ein Künstler, weil Lehren eine Kunst ist. Es ist die Kunst, jungen Menschen eine Tür zur Welt zu öffnen, sie neugierig zu machen; es ist die Kunst, ihnen Selbstvertrauen und Orientierung zu geben. Und dann gilt der Satz, den der Seminarlehrer Ludwig Bauer (Co-Autor vom "Seydlitz-Bauer", dem Erdkunde-Buch) gesagt hat: "Ein schlechter Lehrer, dessen Schüler ihn nicht übertrifft." Gute Lehrer entfachen Begeisterung. Die Schüler dieser Lehrer erkennt man daran, dass sie etwas wissen wollen, dass sie urteilsfähig sind, Kritik üben und selbständig handeln.

Das alles geht nur, wenn der Lehrer die Schüler mag und respektiert. Das wiederum setzt voraus, dass die Gesellschaft den Lehrern zeigt, dass sie auch sie mag. Wenn eine Gesellschaft mit den Lehrern schlecht umgeht, dann hat sie unverdientes Glück, wenn die Lehrer mit den Schülern gut umgehen.