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Gamification:Blinkende Belohnung für Arbeitnehmer

Spielemesse Gamescom

Ein Level erreicht, eine Hürde genommen - die Freude am Gewinnen kennen Computerspieler gut, hier auf der Messe Gamescom in Köln.

(Foto: Oliver Berg/dpa)

Firmen nutzen Elemente aus Computerspielen, um Mitarbeiter zu motivieren - und um die Produktivität zu steigern. Doch viele Gamification-Projekte funktionieren nicht richtig.

Von Miriam Hoffmeyer

Das virtuelle Werksgelände von Andreas Kaiser kann sich sehen lassen: Produktionshalle und Lager sind schon fertig, daneben hat der Familienvater einen Betriebskindergarten, ein Restaurant und ein Theater gebaut. "Mit meinen nächsten Coins kaufe ich mir ein historisches Fabrikgebäude, weil mir die Architektur so gut gefällt", sagt Kaiser. Der Statistiker, der in der klinischen Forschung bei Bayer arbeitet, bildet sich mit "Module X" weiter, einem internetbasierten Lehrgang, mit dem der Chemiekonzern es seinen Mitarbeitern schmackhaft machen will, sich Grundwissen über Finanzen anzueignen.

Das trockene Thema wird von Anfang bis Ende spielerisch vermittelt: Eine Animationsfigur namens Mister Science spaziert von einem Experten des Konzerns zum nächsten und stellt Fragen zu Buchhaltung, Controlling oder Steuern. Die Tests am Abschluss jeder Trainingseinheit sind als Memory gestaltet, als "Vier gewinnt" oder als Labyrinth, in dem richtige Antworten Türen öffnen.

"Bei den meisten Weiterbildungen sind die Abschlussprüfungen wie in der Schule, man freut sich nicht darauf. Hier ist das anders. Das spornt sehr an", meint Andreas Kaiser. Für jeden bestandenen Test gibt es Münzen, mit denen man sich Gebäude für seine virtuelle Baustelle kaufen kann. Am Ende sieht das Werksgelände bei jedem Teilnehmer anders aus. Derzeit lernen schon mehr als 1400 Bayer-Mitarbeiter mit "Module X", obwohl der neue Lehrgang noch nicht einmal komplett zugänglich ist - die letzten vier Trainingseinheiten kommen erst im Juli heraus.

Die Methode, Elemente aus Unterhaltungsspielen in einem spielfremden Kontext zu nutzen, heißt im Fachjargon "Gamification". Seit 2010 hat der Begriff eine gewisse Bekanntheit erlangt. Wenn Unternehmen Gamification anwenden, dann meistens zu Marketingzwecken: BMW warb beispielsweise mit einem Gratis-Rennspiel für ein neues Modell.

Gamification lässt sich aber auch für die Verbesserung der Arbeitsabläufe oder Weiterbildung nutzen. Ziel ist, dass sich die Mitarbeiter freiwillig mit bestimmten Inhalten und Aufgaben beschäftigen, vielleicht sogar in einen Flow-Zustand höchster Konzentration geraten, wie ihn Millionen von Computerspielern oft über Stunden hinweg erleben.

In Deutschland ist Bayer ein Vorreiter: Schon vor 25 Jahren, lange vor Erfindung des Begriffs Gamification, führte der Konzern sein Online-Planspiel "Bayer International Management Simulation" (Bims) ein, mit dem Mitarbeiter Managementprozesse ausprobieren oder Produkteinführungen planen können. Zum traditionellen Bims-Wettbewerb treten in diesem Jahr 60 Bayer-Teams aus 35 Ländern an.

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