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Freiberufler in der Kreativbranche:Besser abgesichert

Bezirkskrankenhaus in Bayreuth

Ein Journalist wartet auf seinen Einsatz (Archivbild). Nicht selten vergessen Freiberufler über ihre Arbeit die eigene berufliche Absicherung.

(Foto: dpa)
  • Webdesigner, IT-Experten, freie Journalisten: Auch Freiberufler aus kreativen Bereichen sind beruflichen Risiken unterworfen.
  • Gegen Schädigungen von Dritten bieten Versicherungen für Kreativschaffende spezielle Vermögensschadenversicherungen an.
  • Eigene Vorsorge und Risikomanagement gewinnen an Bedeutung.

Von Anne-Christin Gröger, Köln

Eigentlich wollte der freiberufliche Webdesigner mit dem Auftrag Geld verdienen, doch dann zahlte er drauf: Er hatte für ein Unternehmen eine Homepage erstellt und Fotos für die Seite aus dem Internet heruntergeladen. An Nutzungsrechte dachte er dabei nicht. Und sofort stellte ihm die Bildagentur Getty Images, von der die Bilder stammten, eine Rechnung über 4000 Euro wegen Verletzung der Urheberrechte.

"Verletzungen von Bildrechten gehören zu den häufigsten Fehlern, die kreativen Freiberuflern passieren", berichtet Ralph Günther, Geschäftsführer des Versicherungsmaklers Exali aus Augsburg. Er hat sich auf die Versicherung von Selbstständigen aus der IT-, Kreativ- und der Beratungsbranche spezialisiert. Auch Fehler bei der Abwicklung von Druckaufträgen, Programmierfehler oder unwissentlich weitergegebene Viren in Software bereiten Selbstständigen Probleme. Im schlimmsten Fall könnten Schäden im fünfstelligen Bereich entstehen, sagt Mario Hartmann, der beim Spezialversicherer Hiscox den Bereich "Berufliche Risiken" verantwortet.

Policen können für mögliche Schäden Dritter aufkommen

Die Kosten dafür kann eine spezielle Vermögensschadenversicherung für Medienberufe übernehmen. Vermögensschäden sind finanzielle Schäden, die Webdesigner, Grafiker oder freie Journalisten Dritten durch schuldhaftes Verhalten zufügen. Das kann der Fall sein, wenn ein Programmierer ein fehlerhaftes Computerprogramm schreibt, das seinem Kunden eine Datenbank zerschießt, ein Webdesigner eine Lieferfrist nicht einhält oder ein Grafiker bestimmte Bildelemente auf einer Werbeanzeige falsch anordnet, so dass wichtige Informationen verdeckt sind.

Die Policen decken mögliche Schadenersatzansprüche von Kunden oder Auftraggebern ab, helfen aber auch bei der Abwehr unberechtigter Forderungen. "Wir übernehmen Anwalts- und Gerichtskosten oder die Kosten für einen Gutachter, wenn das erforderlich ist", sagt Hartmann von Hiscox. Ausgeschlossen sind meist Streitfälle, die vor Gerichten in den USA oder Kanada verhandelt werden, Kartellbußen oder Verletzungen des Patentrechts sowie Produktrückrufe.

Die Verträge sind nicht billig. Die Prämien werden bei den meisten Anbietern nach Umsatz berechnet. Ein Freiberufler mit bis zu 75 000 Euro Jahresumsatz und einer Versicherungssumme von 250 000 Euro zahlt je nach Anbieter zwischen 300 und 500 Euro pro Jahr. Neben Hiscox haben unter anderem Markel, die R+V und die Allianz solche Policen im Programm. Versicherbar sind grundsätzlich alle kreativen Berufe, berichtet Makler Günther. Einige Ausnahmen gibt es jedoch. "Entwickler von Computerspielen sind bei den Versicherern nicht beliebt, weil es hier häufig Streitigkeiten um Urheberrechtsverletzungen mit den großen Spielefirmen gibt."

Gunter Haake von der Selbstständigenberatung Mediafon, die zur Gewerkschaft Verdi gehört, steht den Angeboten skeptisch gegenüber. Sie seien in den meisten Fällen überflüssig und für viele Freiberufler, die häufig einen Jahresumsatz von unter 17 000 Euro haben, viel zu teuer. "Jeder ordentlich arbeitende freie Journalist, Blogger oder anderweitig Kreative sollte sich überlegen, wie hoch sein Risiko wirklich ist, jemals einen Vermögensschaden von vielen tausend Euro zu verursachen", sagt er.

Das größte Risiko seien Ruf- oder Geschäftsschädigungen durch journalistische Veröffentlichungen. Für solche Risiken sollten nach Haakes Ansicht Verlage und Sender aufkommen. "Seriöse Auftraggeber tun das auch."

Eigene Vorsorge und Risikomanagement sind essenziell

Allerdings sieht Haake die Tendenz, dass immer mehr Kunden Aufträge an Selbständige nur vergeben, wenn diese eine Vermögensschadenhaftpflichtpolice abgeschlossen haben. "Manche Auftraggeber wollen die Kosten für mögliche Schäden abwälzen, das ist nicht in Ordnung", findet er. Jeder Kreative müsse sich überlegen, ob er einen solchen Auftrag so nötig hat, dass er ihn annimmt.

Haake setzt auf eigene Vorsorge und Risikomanagement. "Es macht Sinn, etwas Geld auf die Seite zu legen, falls tatsächlich mal eine Schadenersatzforderung ins Haus flattert", sagt er. Zur Regel sollte das natürlich nicht werden. Zudem lohne es sich, über Alternativen zur Haftpflichtversicherung nachzudenken, etwa einen Haftungsausschluss oder eine Haftungsbeschränkung. Ein Weg sei auch die Gründung einer GmbH, sagt er.

Eine Ausnahme macht er allerdings: Freiberufler im IT-Bereich, die an fremden Geräten und mit fremden Daten arbeiten, sollten tatsächlich über eine Haftpflichtversicherung nachdenken, weil hier Schäden in gewaltiger Höhe entstehen können. "Wenn jemand für einen Riesenkonzern ein Programm schreibt, bei dem es um Millionenbeträge geht, tut er gut daran, ein mögliches Risiko durch Fehler auf eine Versicherung zu übertragen."

© SZ vom 04.02.2015/dgr/dd

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