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Frauenquote in der Wirtschaft:Nur unter Druck passiert etwas

Das zweite Argument, es gäbe nicht ausreichend geeignete Frauen für Führungsposten, ist einer näheren Betrachtung wert. Tatsächlich gibt es Branchen, für die das - zumindest teilweise - zutrifft. Unternehmen aus dem technologisch-naturwissenschaftlichen Bereich tun sich schwer, genügend Ingenieurinnen, Maschinenbauerinnen oder Chemikerinnen zu finden, um die fachgebundenen Führungspositionen zu besetzen. Aber auch in diesen Unternehmen gibt es Vorstände für Personal, Vertrieb und Finanzen. Die meisten in deutschen Unternehmen amtierenden Vorstände und Aufsichtsräte haben Jura oder Wirtschaft studiert - auch in Technologie-Unternehmen. Und hervorragende Juristinnen und Wirtschaftswissenschaftlerinnen gibt es wahrhaftig genügend.

Karrieren müssen sich außerdem nicht unbedingt durch fachliche Stringenz auszeichnen, das machen Männer uns Frauen schon lange vor. Thomas Ebeling, der Vorstandsvorsitzende des Medienunternehmens Pro Sieben Sat 1, hatte zuvor leitende Funktionen beim Getränkehersteller Pepsi und im Pharmakonzern Novartis. Studiert hat er Psychologie. Kaum eine Frau hätte die Chuzpe, sich eine solche Biografie für sich selbst auch nur vorzustellen.

Noch immer zieren sich die politisch Verantwortlichen, klare Gesetze für die Förderung von Frauen zu schaffen. Die Front von Quotenbefürwortern- und gegnern verläuft zwar quer durch die Parteien - sollte bei der Abstimmung im Bundestag der Fraktionszwang nicht aufgehoben werden, sieht es trotzdem schlecht aus. Koalitionsmitglieder propagieren ohnehin überwiegend die Flexi-Quote von Ministerin Kristina Schröder, diese erinnert aber an die windelweiche Selbstverpflichtung der Deutschen Wirtschaft von 2001, "ihren Mitgliedern betriebliche Maßnahmen zur Verbesserung der Chancengleichheit von Frauen und Männern sowie der Familienfreundlichkeit zu empfehlen".

Macht den Verantwortlichen Dampf unterm Hintern!

Viel ist seither nicht passiert, und das meiste davon auch nur unter dem Druck der Quotendiskussion. Zwar lesen wir hie und da vollmundige Ankündigungen von Chefredakteuren, man habe die feste Absicht, den Frauenanteil in der eigenen Führungsriege zu erhöhen, und auch in Wirtschaftskreisen hat die Rhetorik sich verändert - die Jungs sind ja nicht blöd. Dabei bleibt es aber dann auch. Das Diktum des Soziologen Ulrich Beck von der verbalen Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre beschreibt treffend das männliche Verhaltensmuster. So kommt selbst eine ursprünglich erklärte Gegnerin wie ich nicht mehr um die Einsicht herum, dass sich ohne feste Frauenquote nichts Grundsätzliches bewegen wird.

Ihre Einführung würde nicht nur den Verantwortlichen in der Wirtschaft den nötigen Dampf unterm Hintern machen. Sie würde auch uns Frauen zwingen, Farbe zu bekennen. Dann wäre Schluss mit dem Gejammer. Wir müssten unter Beweis stellen, dass wir können und wollen, was wir jahrzehntelang gefordert haben. Es gibt nämlich nicht wenige Frauen, die groß darin sind, sich über mangelnde Aufstiegschancen zu beklagen - aber zurückzucken, wenn es darum geht, tatsächlich Verantwortung zu übernehmen und sich einen mühsamen 60-Stunden-Job ans Bein zu binden, bei dem sie sich in der dünnen Luft der Führungsetagen und in den männerbündischen Strukturen eines Unternehmens behaupten müssen.

Dass es Frauen gibt, die das nicht wollen oder können, ist unbestritten. Das darf aber nicht weiter als Ausrede dafür dienen, den anderen Frauen, die es können und wollen, den Aufstieg zu verwehren.

Quotendiskussion

Deutschlands mächtige Frauen

Amelie Fried, 54 Jahre, ist Fernsehmoderatorin und Schriftstellerin.