Frage an den SZ-Jobcoach Wie breche ich das Schweigen in der Teeküche?

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(Foto: Jessy Asmus)

Die Abteilung von Arne W. ist umgezogen, er hat es aber versäumt, sich den Kollegen auf dem neuen Stockwerk vorzustellen. Nun bittet er den Jobcoach um Rat.

SZ-Leser Arne W. fragt: Unsere Abteilung ist im Firmengebäude auf einen andere Etage umgezogen. Dort sind auch die Büros von zwei anderen Abteilungen untergebracht. Es gab keine offizielle Begrüßung. Im Trubel des Umzugs habe ich es versäumt, mich den Kollegen in den Nachbarbüros vorzustellen. Nun arbeiten wir schon seit Wochen auf demselben Flur und begegnen uns in der Teeküche. Kann ich nachträglich noch eine Vorstellungsrunde durch die Etage machen?

Jan Schaumann antwortet:

Lieber Herr W., das höre ich immer wieder: "Im Trubel des Umzugs", "in der Hektik des Alltags", "im Eifer des Gefechts" wurde dies oder jenes versäumt. Bei allem Respekt - das sind lediglich Ausflüchte, derer wir uns gerne bedienen, wenn es unangenehm oder unbequem wird. Hand aufs Herz, wenn Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Abteilungen wirklich kennenlernen wollten, hätten Sie schon längst eine passende Gelegenheit gefunden. Auch im Trubel des Umzugs, des Alltags oder in welchem Trubel auch immer.

Was machen Sie denn in der Teeküche, wenn Sie den bislang fremden Kolleginnen oder Kollegen begegnen? Schweigen Sie sich an? Ignorieren Sie sich oder verlassen Sie fluchtartig die Küche? Falls ja, gehen Sie doch einfach mal in die Charmeoffensive! Sprechen Sie die jeweilige Person an und stellen sich vor. Vielleicht mit so etwas wie "Hallo, wir haben uns noch gar nicht kennengelernt, ich bin Dominik W. aus der Abteilung XY." Ehe Sie sich's versehen, entwickelt sich ein Gespräch und binnen kürzester Zeit können Sie diesen Menschen von Ihrer Fremden-Liste streichen.

"Erzählen Sie den Kollegen nicht von Ihrem Urlaub"

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Eventuell geht es dem neuen, nun bekannten Kollegen sogar ähnlich wie Ihnen, und es ist ihm ebenfalls schon unangenehm aufgefallen, dass er niemanden aus Ihrer Abteilung kennt. An diesem Punkt könnten Sie sich zusammentun. Vielleicht haben Sie sogar Lust, einen Plan auszubaldowern und sich gegenseitig zu besuchen, Ihr jeweiliges Team im Schlepptau, und alle miteinander bekanntzumachen. Das macht Spaß, und schweißt zumindest Sie und Ihren neuen Kollegen zusammen.

Für den Fall, dass Ihnen dieses eigentlich simple Vorgehen zu forsch erscheint, gibt es noch Plan B. Hier kommen Ihre Vorgesetzten ins kommunikative Spiel. Machen Sie den Vorschlag, zwischen den Abteilungen Vorstellungsrunden zu initiieren. Dabei könnten sich, zum Beispiel im Rahmen eines abteilungsübergreifenden Meetings, alle Beteiligten gegenseitig vorstellen. (Wenn Sie das mit einer Einladung zu Kuchen oder Weißwurst verbinden, könnte das die Teilnehmerzahl erheblich erhöhen.) Alternativ könnte jeder aus Ihrer Abteilung eine Kollegin oder einen Kollegen vorstellen und bei dieser Gelegenheit etwas Nettes und Positives über diese Person erzählen.

Wenn das Ganze wechselseitig stattfindet, also erst jemand aus Ihrer Abteilung, dann jemand aus der anderen Abteilung und so weiter, dann entsteht nebenbei eine schöne Dynamik. Am Ende haben sich alle Anwesenden einmal gesehen, den Namen zum jeweiligen Gesicht erfahren und, wenn es richtig gut lief, auch noch die eine oder andere Anekdote aus der anderen Abteilung gehört.

Menschen, die sich kennen, kommunizieren eher und intensiver miteinander und arbeiten erfahrungsgemäß auch besser zusammen. Alles gute Gründe also, das Kennenlernen und das anschließende Netzwerken der Belegschaft nicht unnötig weiter auf die lange Bank zu schieben. Also los! Und wenn Sie sich nicht alleine trauen, nehmen Sie eben eine nette Kollegin oder einen Kollegen mit.

Jan Schaumann lebt als Managementberater, Seminarleiter, Etikettetrainer und Buchautor in Berlin.

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