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Fehler im Prüfungsbogen:Gepeinigte Mediziner

Als ob der Prüfungsstress nicht schon groß genug wäre: Fehlerhafte Bögen beim bundesweit einheitlichen Physikum haben Medizinstudenten in Panik versetzt.

Schock im Prüfungssaal: Bei der zentralen Physikumsprüfung für Mediziner in Deutschland hat es eine Panne gegeben. Das Physikum, das als entscheidende Voraussetzung für die Fortsetzung des Studiums und als Eintrittskarte in den "klinischen Teil" gilt, wird jährlich bundesweit einheitlich gestellt. Der anspruchsvolle Test mit 320 Multiple-Choice-Fragen wird in Internetforen schon mal als "blanker Horror" bezeichnet.

Entdeckung in letzter Sekunde

Bei Studenten in mehreren Städten fehlten nun Seiten in den Prüfungsbögen, bestätigte das zuständige Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) in Mainz. Betroffen waren demnach etwa 50 Prüflinge in vier Bundesländern. Die meisten fehlerhaften Prüfungshefte waren in Frankfurt, Gießen und Marburg aufgetaucht. Auch in Mainz und Homburg (Saar) vermissten Studenten Seiten. In Baden-Württemberg entdeckte das Prüfungsamt in letzter Sekunde durch Zufall einen fehlerhaften Bogen - und konnte so kurz vor Prüfungsbeginn alle Medizin-Fakultäten im Land warnen.

Bei 5620 gedruckten Heften seien die wenigen Mängel-Exemplare bei den üblichen Stichproben nicht entdeckt worden, sagte IMPP-Direktor Jürgen Neuser. Der Leiter des von den Ländern mit der Prüfungsvorbereitung beauftragten Instituts äußerte sich zerknirscht: "Ja, diese Panne hat es gegeben. Ich möchte mich bei jedem Teilnehmer entschuldigen."

Vier Seiten doppelt

In die fehlerhaften Hefte hatte die Druckerei vier Seiten doppelt eingelegt, dafür fehlte ein Bogen. Die Unterlagen hatten bei der Prüfung am vergangenen Donnerstag rasch gegen korrekte ausgetauscht werden können, da das IMPP immer mehr Exemplare als nötig liefert. Der Chef des Landesprüfungsamtes Hessen, Christof Diefenbach, sagte: "Zum Glück haben wir den Fehler früh in der Prüfung erkannt." Da der Austausch der Hefte für Unruhe auch bei Studenten mit korrekten Unterlagen gesorgt habe, hätten alle eine Viertelstunde länger schreiben dürfen. In Mainz soll es sogar eine halbe Stunde Aufschlag gegeben haben.

Begünstigt worden sei die Panne durch den Druck des rheinland-pfälzischen Rechnungshofes, sagte Neuser. Die Prüfer hatten erst im Februar öffentlich erklärt, durch eine straffere Organisation könnten 16 Stellen und damit 1,3 Millionen Euro im Jahr gespart werden. Wegen solcher Hinweise hat das IMPP den früher stets neben der Druckmaschine postierten Mitarbeiter abgezogen.

Sparmaßnahmen mit Folgen

Der Rechnungshof sieht das anders: Man habe nur angemerkt, die Bögen müsse kein Top-Beamter des gehobenen Dienstes überprüfen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Zudem habe der Kontrolleur gar nicht den gesamten Druckvorgang überwachen können. Ihre Behörde habe vielmehr gewarnt: Eine lückenlose Kontrolle des Drucks sei nicht gewährleistet.

Zumindest für die Medizin-Studenten geht die Aufregung noch weiter: Bis zu einem Viertel von ihnen fliegen nach IMPP-Angaben gewöhnlich durch die Prüfung - ganz ohne Fehldrucke.