Fachkräftemangel Freie Fläche, freie Stelle

An Hauswänden, in Schaufenstern, auf Fahrzeugen - überall werben Unternehmen um neue Mitarbeiter und machen den öffentlichen Raum zur Jobbörse.

Text und Fotos: Jutta Pilgram
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Experten für die Provinz. Der Pharma-Dienstleister Vetter gehört zu den sogenannten Hidden Champions, den versteckten Weltmarktführern. Die haben es abseits der Metropolen oft schwer, qualifiziertes Personal zu finden. "Wir wachsen stark und suchen Mitarbeiter für eine große Bandbreite an Tätigkeiten - Apotheker, Ingenieure, IT-Spezialisten und jede Menge Azubis", sagt Vize-Personalchef Markus Maiwald. "Wer eine sinnstiftende Tätigkeit sucht, verantwortungsvoll ist und sich mit der Aufgabe identifiziert, ist bei uns richtig." Im Gegenzug bietet die Firma aus Ravensburg sogar Ferienhäuser für die Belegschaft.

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Selbständig unterwegs. Mehr als 700 verschiedene tiefgekühlte Lebensmittel bringen die Eismann-Transporter an die Haustür. Dafür sucht die Firma fast überall in Deutschland Menschen, die sich als Verkaufsfahrer ihr eigener Chef werden wollen. "Wer sich engagiert und etwas leistet, wird dafür belohnt", verspricht Eismann-Geschäftsführer Elmar Westermeyer. "Wer einen langweiligen Nive-to-Five-Job sucht, ist bei uns falsch." Zur Kampagne unter dem Motto "Du bist mehr" gehört auch ein Online-Test, mit dem die Bewerber herausfinden sollen, ob sie das Zeug zum selbständigen Handelsvertreter haben.

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Extras für Erzieherinnen. "Stadtmäuse" heißt die Elterninitiative in München-Schwabing, die dieses Plakat an die Hauswand gehängt hat. Verena Ott ist Mutter und im Vorstand der Initiative, die sich um alles selber kümmert, auch um die Personalsuche. "Wir sind eine kleine Einrichtung und versuchen, den Job attraktiv zu gestalten." Zum Beispiel mit guter Atmosphäre oder Fahrtkostenzuschlägen. Doch die Stadtmäuse haben dasselbe Problem wie andere Kitas: Es fehlt an Erzieherinnen und Kinderpflegern. "Oft machen junge Frauen diesen Job - und die gehen irgendwann in Elternzeit", sagt Ott. Dann fängt die Suche von vorne an.

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Arbeit ist nicht alles. Der Discounter Aldi Süd sucht IT-Kräfte aller Art: Berufserfahrene, Absolventen, Praktikanten. "Egal ob Kassensysteme im Verkauf, Frachtmanagement in der Logistik, Warenmanagement im Einkauf, CrossmediaKampagnen in der Kommunikation - überall macht unsere IT das Arbeiten effizienter und einfacher", sagt Personalmanagerin Nevenka Veltrup. Weil IT-Experten derzeit rar sind, hat sich der Konzern das Thema Work-Life-Balance auf die Fahnen geschrieben und lockt mit dem Slogan "Das Beste aus zwei Welten".

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Ausbildung inklusive. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sucht Fahrer und Fahrerinnen für U-Bahn, Bus und Tram. "Gerne Quereinsteiger: Friseure, Paketboten, Servicekräfte aus der Gastronomie, Verkäufer et cetera", sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. Die MVG übernimmt auch die Ausbildungskosten. "Bewerber müssen 21 Jahre alt sein, gut Deutsch können, belastbar sein und bereit, den Fahrgästen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen." Und bitte nicht immer nur Interesse am Trambahnfahren zeigen - da ist die Nachfrage am größten.

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Kunstvoll Brote belegen. "Sandwich Artists" nennt die Franchise-Kette Subway die Mitarbeiter in ihren deutschlandweit fast 700 Restaurants. Sie bereiten Sandwiches und Wraps zu, belegen sie mit Salami, Thunfisch oder Tomate, kassieren und räumen ab. "Jeder bekommt bei mir eine Chance", sagt der Chef einer Münchner Filiale. "Es können ganz normale Leute sein. Aber sie müssen einigermaßen Deutsch sprechen." Früher habe er mit Gymnasiasten gute Erfahrungen gemacht, manche schafften den Job auch neben dem Studium. Doch es werde schwieriger, gute Leute zu finden. "Mit 99 Prozent der Bewerber klappt es nicht."

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Beamte fürs Bauen. Die Bauwirtschaft boomt. Als größter Auftraggeber der Branche in Bayern hat der Freistaat mit den selben Problemen zu kämpfen wie die freie Wirtschaft: Es fehlt an Ingenieuren, Architekten und Bautechnikern. Auf der Website ich-bau-bayern.de können sich Absolventen über den Einstieg in die Beamtenlaufbahn informieren. "Dabei profitieren die 10 000 Mitarbeiter der Staatsbauverwaltung von krisensicheren Arbeitsplätzen als Beschäftigte oder Beamte", sagt Thomas Wellenhofer, zuständig für Personalgewinnung im Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. "Das ist unser Wettbewerbsvorteil.

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Gepflegter Genuss. Den ganzen Tag von handgemachten Pralinen, Torten und Schokoladen umgeben sein - das erwartet die Mitarbeiter in einer der sechs Filialen von Elly Seidl. Der bayerische Familienbetrieb sucht Verkäuferinnen und Verkäufer, die sich dafür begeistern können. "Am besten mit Vorkenntnissen im Bereich Verkauf und Kasse", sagt Personalchefin Yvonne Rambold. Unabdingbare Voraussetzung ist ein gepflegtes Aussehen. "Im Lebensmittelbereich ist das sehr wichtig", sagt Rambold. Gute Deutschkenntnisse werden ebenfalls verlangt. "Dialekt ist okay, aber der Kunde muss verstanden werden."

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Auf Dauer gestellt. Allein in diesem Jahr will die Deutsche Bahn 22 000 neue Mitarbeiter einstellen - Lokführer, Elektriker, Fahrdienstleiter, IT-Experten und Ingenieure. Sie wirbt mit unbefristeten Verträgen, wie hier am Bahnsteig. "Die DB setzt auch auf innovative Formate, etwa auf Castings an Bahnhöfen und in Zügen, oder sie macht Berufe mit VR-Brillen hautnah erlebbar", sagt ein Sprecher. Die Kampagne steht unter dem Motto "Willkommen, Du passt zu uns" und präsentiert "die DB ehrlich und ohne Hochglanz. Die Haltung: Wir sind gut, aber nicht perfekt. Und wir suchen genau die, die mit uns die Bahn besser machen."

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Werben mit Wir-Gefühl. Neben Briefträgern, Paketzustellern, Lagerhelfern und Sortierern sucht die Deutsche Post auch Azubis und duale Studierende. "Unsere Mitarbeiter sind stolz darauf, dabei zu sein - und wir sind umgekehrt stolz auf jeden Einzelnen", wirbt Carolin Oelsner von der Deutschen Post DHL Group. Allein in München arbeiten Menschen aus 77 Nationen bei der Post. "Jeder ist willkommen, ein Teil dieses Teams zu werden, das eine so wichtige Aufgabe in Deutschland übernimmt", sagt sie. "Wir schließen niemanden aus, sondern laden jeden ein, unabhängig von Alter, Erfahrung, Geschlecht, Bildung oder Herkunft."

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Handwerk? Ja bitte! Der Salon "Supercut" in der Altstadt von Konstanz, sucht Friseurmeister und Friseure beiderlei Geschlechts. Chefin Daniela Grigore sagt: "Das Interesse an handwerklichen Berufen lässt nach. Das zeigt sich schon in der Schule. Deshalb suchen wir nicht nur Salonleiter und Meister, sondern wir bilden auch aus. In den 25 Salons in meinem Bereich stellen wir insgesamt 20 Azubis ein." Seit einem halben Jahr hängt das Schild im Schaufenster, und es kommen etwas mehr Anfragen. "Ob das nur wegen des Schildes ist, kann ich nicht beurteilen. Wir suchen auch über die Agentur für Arbeit und auf anderen Kanälen."