Facebook:Wenn der Chef zum Freund werden will

Lesezeit: 2 min

Wer plötzlich auf Facebook eine Freundschaftsanfrage vom Chef bekommt, sollte sich gut überlegen, was er antwortet. Etikette-Trainer Jan Schaumann gibt Tipps.

SZ-Leser Christian G. schreibt:

Statusmeldungen bei Facebook & Co: Chef liest mit

Wer darf was lesen? Wer seinen Chef als Freund akzeptiert, sollte sich das überlegen.

(Foto: dpa)

Ich bin seit ein paar Monaten Trainee bei einem großen Handelsunternehmen. Nun hat mir mein derzeitiger Chef auf Facebook die Freundschaft angeboten. Obwohl ich ihn nett finde und in unserem Team eine entspannte, angenehme Stimmung herrscht, weiß ich nicht, wie ich darauf reagieren soll. Ich möchte mit ihm nicht all die Nachrichten, Fotos und Videos teilen, die ich normalerweise an meine Freunde poste. Ich will ihn aber auch nicht vor den Kopf stoßen.

Jan Schaumann antwortet:

Lieber Herr G., das Leben unserer

Großeltern war in manchen Belangen entschieden einfacher als heute: Dienst war Dienst, und Schnaps war Schnaps. Heute verschwimmen diese Grenzen immer mehr, und häufig ist das berufliche Leben nicht mehr vom privaten Leben zu trennen.

Neben der zeitlichen Überlappung und dem Abrufen und Bearbeiten geschäftlicher E-Mails via Smartphone am Abendbrottisch wird auch das persönliche Kontaktnetzwerk in Zeiten von Social Media engmaschiger. Was mit einem Eintrag bei Stayfriends oder einem Profil auf Xing oder LinkedIn begann, setzt sich mit zunehmender Beliebtheit und Verbreitung auf Plattformen wie Twitter oder Facebook fort.

Während die Gesichterliste bei Facebook zunächst tatsächlich nur Freunde, ehemalige Mitschüler und Kommilitonen oder Ex-Geliebte barg, pirschen sich mit steigender Nutzerzahl der sozialen Netzwerke auch solche Menschen an den eigenen, digitalen Dunstkreis heran, die man gemeinhin nicht als Freunde im engeren (oft noch nicht einmal im weiteren) Sinne bezeichnen würde. Dabei kann einem auf Twitter jeder Hinz oder Kunz folgen, solange man diesen nicht explizit von der Verfolgung ausschließt. Facebook geht dabei ein Bit höflicher vor, hier muss man um die Freundschaft des anderen werben - und sei es auch nur formell. Und so kommt es, dass nun also plötzlichder Chef eine sogenannte Freundschaftsanfrageschickt ...

Eine klare Strategie muss her

Spätestens jetzt sollte man sich eine ganz klare Strategie zur digitalen Erweiterung seines Freundeskreises überlegen. Will ich die Gruppe derjenigen, die meine hier veröffentlichten Gedanken, Bilder und Videoclips einsehen können, so halten, dass meine Postings nicht jedes Mal durch die eigene Zensur laufen müssen? Hier zählt der kleinste gemeinsame Nenner. Die von mir verbreiteten Inhalte sollten für jeden einzelnen meiner Facebook-Freunde geeignet sein. Sind sie das nicht, muss ich entweder etwas an meinen Veröffentlichungen oder am Empfängerkreis ändern.

Ich habe mir dazu bereits bei der Einrichtung meines Accounts Gedanken gemacht. In meine Freundesliste kommen nur jene Personen, mit denen ich private Inhalte teilen möchte. Alle anderen Anfragen nach einer digitalen Freundschaft beantworte ich zwar höflich, dennoch eindeutig mit der Bitte um Verständnis, dass mein Facebook-Account rein privater Natur ist. Alternativ kann man eine Vernetzung auf Xing oder LinkedIn anbieten oder eine öffentliche Facebook-Seite einrichten und dazu einladen - in meinem Fall zum Beispiel www.facebook.com/stilbrief.

Ablehnung führt zu Missstimmung. Diese lässt sich am besten vermeiden, indem man Alternativen anbietet. Wer Kinder hat, die unnachgiebig Süßigkeiten einfordern, weiß, wovon ich spreche.

Haben Sie auch eine Frage zu Bewerbung, Berufswahl, Etikette, Arbeitsrecht, Karriereplanung oder Führungsstil? Schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere sechs Experten beantworten Ihre Fragen im Wechsel. Ihr Brief wird selbstverständlich anonymisiert.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema