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Elite-Universität Cambridge:Debattieren mit den Porno-Stars

Wer will schon immer über Politik und Wirtschaft diskutieren? Die Studenten der britischen Uni Cambridge beschäftigen sich lieber mit dem gesellschaftlichen Nutzen der Sex-Industrie. Und laden drei Experten ein.

Genug von den ewigen Podiumsdiskussionen über Politik oder Wirtschaft? Warum nicht mal Argumente über Pornos austauschen? Das dachten sich wohl auch die Studenten der britischen Elite-Universität Cambridge. Wo einst Winston Churchill und Ronald Reagan sprachen, werden am 17. Februar drei Porno-Stars mit den Studenten debattieren - auf Einladung der traditionsreichen Studentenvereinigung "Cambridge Union Societey".

Wo einst Churchill und Reagan debattierten, sprechen jetzt Porno-Stars: Der Campus der britischen Uni Cambridge.

(Foto: AFP)

"Wir veranstalten dieses Semester traditionelle Diskussionsveranstaltungen über Politik, Außenpolitik und Medien. Aber ich dachte es sei wichtig, auch mal über den Tellerrand hinaus zu schauen und eine breitere Auswahl an heißen Themen zu debattieren", erklärt die Präsidentin des Studenten-Clubs, Lauren Davidson, der britischen Zeitung Telegraph. Deshalb wird es am 17. Februar um die Frage gehen, welchen gesellschaftlichen Nutzen die Sex-Industrie hat.

Und heiß könnte die Diskussion durchaus werden. Auf dem Podium der Elite-Universtität sitzen dann der Stripper und Pornodarsteller Johnny Anglais, der erst kürzlich seine Stelle als Lehrer verloren hatte, nachdem seine Nebentätigkeit aufgedeckt wurde, und Anna Arrowsmith, Englands erste weibliche Porno-Regisseurin. Sie hatte im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, weil sie als Kandidatin der Liberaldemokraten auf die Wahl ins Parlament hoffte. "Ich freue mich, dass das Thema endlich ernst genommen wird, es ist wichtig für den Feminismus, die Kultur und die Zensur", zitiert der Telegraph Arrowsmith.

Dritte Porno-Spezialistin auf dem Podium wird Shelley Lubben sein, die in 30 Sexfilmen zu sehen war und auf eine Vergangenheit als Prostituierte zurückblicken kann. Inzwischen ist Lubben laut Telegraph jedoch streng gläubige Christin, die auch in Cambridge die Porno-Industrie verdammen will: "Pornographie ist nicht glamurös. Sie zerstört Leben und ist eine Industrie des Menschenhandels. Pornographie ist eine große Lüge und ich werde sie entlarven", sagte sie im Vorfeld.

Die Entrüstung in Großbritannien ob der anstehenden Veranstaltung ist groß, doch Studenten-Vertreterin Lauren Davidson versteht die ganze Aufregung nicht. "Das Thema Pornographie ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Personen jeden Alters können im Internet darauf zugreifen und in den Medien spielt sie eine immer wichtigere Rolle. Wir veranstalten die Debatte nicht, um Aufsehen zu erregen, wir erhoffen uns eine lebendige akademische Diskussion."

Zu der sollen auch die drei weiteren Diskussionsteilnehmer beitragen: US-Schrifsteller Jessi Fischer, Kinderpsychologe Richard Woolfson und die feministische Soziologin Gail Dines. Für die britischen Medien sind sie jedoch nur halb so spannend, wie ihre Kollegen aus der Sex-Branche.

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