Dresscode im Bewerbungsgespräch Mehr Stoff für mehr Autorität

Bei Frauen-Kleidung gilt: Mehr ist mehr. Denn mehr Stoff am Körper bedeutet mehr Autorität. "Sonst muss sich der Personaler am Ende noch vorwerfen lassen, er hätte sich von anderen Dingen als vom Lebenslauf beeindrucken lassen", sagt Lüdemann. Gerade in Jobs, die häufig mit Männern besetzt werden, oder in Unternehmen, wo viele Männer in Führungspositionen arbeiten, sei ein etwas männlicheres Auftreten hilfreich, wie wissenschaftliche Studien erwiesen hätten. "Eine Frau, die sich eher feminin gibt, also lange offene Haare trägt, einen Rock anhat und lackierte Fingernägel, muss vermutlich eher noch mal ausführlich Rede und Antwort zu ihrer fachlichen Kompetenz stehen als eine, die sich tendenziell maskulin gibt, also etwa einen Hosenanzug trägt", erklärt die Expertin. Denn maskuliner erscheinende Frauen passen laut Lüdemann besser in das gewohnte Raster. "Bei Studien hat sich herausgestellt, dass die dann nicht mehr so auf Herz und Nieren geprüft werden, wie das bei den anderen der Fall ist. Die dürfen dann viel schneller über Erfolge reden und müssen sich nicht erst wie die anderen noch beweisen."

Fällt die Entscheidung für einen Rock, dann müsse er mindestens knielang sein und Bewerberinnen sollten Feinstrümpfe dazu tragen. Außerdem seien komplett geschlossene Schuhe empfehlenswert. Der Ausschnitt sollte eine Hand breit über dem Brustansatz enden, sagt Lüdemann. Und falls Frauen keinen Blazer tragen, sollten sie Oberteile wählen, die die Schultern bedecken und Ärmel haben.

Bei Schmuck und Schminke wiederum ist weniger mehr. Und auch ganz wichtig: "Nicht zu viel Parfüm! Sonst läuft man schnell mit einer Duftwolke durch die Gegend und das kann für die anderen unangenehm sein", warnt Lüdemann.

Grundsätzlich empfiehlt sie: "Nicht mehr als neun Dinge sichtbar tragen und nicht mehr als drei Farben und zwei Muster kombinieren. Denn wer zu dick aufträgt, wirkt leicht überkandidelt. Oder der Personaler denkt sich, wenn jemand sich zu gut kleidet für eine Position: der wird nicht lange bei uns bleiben, denn der hat ganz andere Ziele." Die Erfahrung zeige, dass bei zu viel Drumherum die Persönlichkeit des Bewerbers in den Hintergrund trete, und das ist ungünstig. "Die Kleidung soll die Persönlichkeit unterstreichen und nicht übermalen."

Doch das allerwichtigste ist: Der Bewerber sollte sich in seiner Kleidung wohlfühlen. "Wer sich verkleidet vorkommt, sollte sich in der Tat überlegen, ob der Job der richtige ist oder ob eventuell eine andere Branche oder anderes Unternehmen besser für ihn geeignet sind", sagt Lüdemann.