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Diversität:Integrieren statt diskriminieren

Pressefoto Prof. Dr. Andrea D. Buehrmann_(c) Universität Göttingen_Christoph Mischke

Andrea Bührmann von der Universität Göttingen fordert, dass kulturelle Belange von Zugewanderten mehr berücksichtigt werden.

(Foto: Universität Göttingen)

Migration ist Heraus­forderung und Chance zugleich. Die Soziologin Andrea D. Bührmann erklärt, warum.

Interview von Ingrid Weidner

Viele Kommunen stehen vor der Frage, wie sie neu hinzugezogenen Menschen integrieren und für das öffentliche Leben begeistern können. Die Soziologin Andrea D. Bührmann leitet an der Georg-August-Universität Göttingen das von ihr gegründete Institut für Diversitätsforschung. Sie berät auch Gemeinden und Städte in diesen Fragen.

SZ: Vielfalt eröffnet Kommunen vielfältige Chancen. Wird dieses Potenzial auch genutzt?

Andrea D. Bührmann: Seit einigen Jahren beschäftigen sich nicht nur Großstädte, sondern auch kleinere Städte mit der Frage, wie sie allen Bürgerinnen und Bürgern Teilhabe ermöglichen können. Viele haben schon Diversitätsbeauftragte benannt, die sich besonders um diejenigen kümmern, die aufgrund von Flucht, Migration oder wegen eines Arbeitsplatzes zugezogen sind.

Welche Aspekte sollten Kommunen besonders im Auge behalten?

Ein möglichst vorurteilsfreier Umgang mit allen ist wichtig. Dafür sollten Kommunen ihre Verwaltungen sensibilisieren und kulturelle Belange von Zugewanderten stärker berücksichtigen, etwa auf hohe Feiertage anderer, nicht-christlicher Religionen achten. Aber auch passende Altenheime oder Friedhöfe, etwa für Menschen muslimischen Glaubens, sind Teil einer gelebten Diversität in unserer Gesellschaft. Wenn Kommunen in der Stadtpolitik und Stadtverwaltung auf Fairness achten und niemanden diskriminieren, strahlt das auch auf die Stadtgesellschaft aus.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Es ist wichtig, passende Formate für den Austausch zu finden. Wenn die Stadtverwaltung beispielsweise mit einer Gruppe junger Gründerinnen mit türkischen Wurzeln ins Gespräch kommen will und sie abends zu einem Stammtisch in ein Lokal einlädt, empfinden das viele dieser Frauen als unpassend. Hier sind andere Ideen gefragt.

Welche Chancen bietet Migration kleineren Städten?

In Deutschland gibt es einige große Universitäten, die in kleineren Städten angesiedelt sind, beispielsweise Göttingen, Heidelberg oder Tübingen. Um für internationale Studierende und Forschende weiterhin anziehend zu sein, müssen die Städte Vielfalt leben und offen sein. Die Hochschulen sind dort ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Deshalb sind Toleranz und Offenheit entscheidend für den Erfolg.

© SZ vom 09.12.2020
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