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Comeback nach dem Rücktritt:Am Ende? Dann kann es ja losgehen!

Karl-Theodor zu Guttenbergs politische Laufbahn scheint beendet. Doch der Rücktritt könnte auch der Beginn einer viel größeren Karriere sein. Das Tor zum glorreichen Comeback ist offen. Andere haben es vorgemacht.

Das soll es jetzt also gewesen sein? Ein letzter Auftritt, und der hoffnungsvolle Stern am Politikhimmel verglüht? Mitnichten. Karl-Theodor zu Guttenberg ist zwar von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Das Ende seiner Karriere muss das noch lange nicht sein.

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Guttenberg tritt ab

Die Rücktrittsrede

Verteidigungsminister zu Guttenberg hat seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern erklärt. Der Druck der Plagiatsaffäre sei zu groß gewesen. Die Rücktrittsrede und Impressionen von Guttenbergs Auftritt - Eine Audioslideshow

"Die Wahrscheinlichkeit, dass der Rücktritt Guttenbergs Karriere langfristig schadet, ist gering. Er ist noch jung. In vergleichbaren Fällen sind Politiker zwei, drei oder vier Jahre später wieder zurückgekehrt. Dann ist Gras über die Sache gewachsen", sagt Professor Michael Hartmann, Elite- und Karriereforscher an der Technischen Universität Darmstadt.

Die wichtigste Voraussetzung für eine Rückkehr in die Politik sei der Rückhalt in der Partei, ein funktionierendes Netzwerk, so der Soziologe. Aber noch ein anderer, simpler Faktor spielt eine Rolle in der Frage, ob die große Karriere auch nach einer großen Niederlage noch möglich ist: das Alter. Guttenberg ist 39 Jahre alt, zehn Jahre jünger als der durchschnittliche Minister bei Amtsantritt. Erfolgt der Rücktritt in jungen Jahren, stehen die Chancen auf nahezu völlige Rehabilitierung nicht schlecht. "Sieht man sich die Spendenaffäre der neunziger Jahre an: Wirklich geschadet hat sie nur den Politikern, die schon zu alt für neue Ämter waren. Helmut Kohl musste den Ehrenvorsitz seiner Partei abgeben, Walther Leisler-Kiep wurde verurteilt. Alle anderen - Franz Josef Jung, Roland Koch, Wolfgang Schäuble - haben die Affäre relativ unbeschadet überstanden. Heute fragt sie niemand mehr danach", sagt Hartmann.

Diese Regel scheint nicht nur für die Politik zu gelten. Auch in der Wirtschaft schadet ein Misserfolg in jungen Jahren der Karriere weit weniger als einer zu einem späteren Lebenszeitpunkt. "Die, die wegen einer Affäre wirklich gehen mussten, waren alle schon älter, wie zum Beispiel Heinrich von Pierer bei Siemens. Sein jüngerer Kollege Klaus Kleinfeld hat seine Karriere in den USA fortgesetzt - und es ist nicht ausgeschlossen, dass er auch noch mal nach Deutschland zurückkehrt", sagt Karriereforscher Hartmann.

In der Theorie hängt ein erfolgreiches Comeback von mehreren Faktoren ab, erklärt Wolfgang Mayrhofer, Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. "Es gibt die sogenannten Karrierekapitalien. Dazu zählen die fachlichen Qualifikationen, Titel, aber auch Netzwerke, Kontakte und Geld. Damit bewegt man sich in einem Karrierefeld, im Fall Guttenberg der Politik. Dort gelten bestimmte Regeln. Um erfolgreich zu sein, müssen die jeweiligen Kapitalien im Karrierefeld als Währung auch akzeptiert werden."

Durch die Plagiatsaffäre litt ein wesentliches Karrierekapital von Guttenberg: die öffentliche Reputation. Erst wenn er die wiederhergestellt und symbolisch Buße angeboten habe, sei eine Rückkehr möglich, so Mayrhofer. Die Zeit sei dabei klar auf Guttenbergs Seite, denn: "Das System vergisst schnell."

Comebacks nach dem Rücktritt

Jetzt erst recht