Burn-out-Syndrom:Kein Ausgleich mehr? Notbremse!

Wenn auch der soziale Bereich betroffen ist und damit häufig Dinge, die eigentlich ein Ausgleich zur Arbeitswelt sein sollten, ist Obacht geboten. "Das macht sich bemerkbar, wenn man sich um Hobbys gar nicht mehr kümmert, Freundschaften auf Eis legt und man sich einfach nur noch zurückziehen will."

Michael Marwitz, promovierter Psychologe und Leiter der Therapie in der Schön Klinik Roseneck beschreibt den Burn-out als "Ergebnis einer lang anhaltenden Überforderungssituation". Allerdings gebe es bislang mehr als 150 verschiedene körperliche Symptome, die mit Burn-out in Zusammenhang gebracht werden - ein schwer einzugrenzendes Syndrom also. "Burn-out ist keine Diagnose, sondern ein Syndrom, unter dem sich viele unterschiedliche Dinge verbergen können." Genau das mache eine genaue Definition schwierig. "Man geht von einer berufsbedingten Depression aus, die vor allem durch beruflichen Stress erzeugt wird."

langsamer rechner

Müde, antriebslos, erschöpft - so beginnt der Burn-out in den meisten Fällen. Doch kaum jemand will diese Symptome wahrhaben.

(Foto: iStockphoto.com)

Das Problem an der Diagnose Burn-out sei die Palette von Symptomen, die auch bei anderen psychischen Störungen auftreten, sagt Gabriele Freude. Die promovierte Biologin leitet bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die Arbeitsgruppe "Mentale Gesundheit und kognitive Leistungsfähigkeit".

Häufig verberge sich hinter dem Burn-out eine Depression, die auch als solche behandelt werden muss. "Im Hinblick auf die Prävention von Burn-out muss vor allem auch das Arbeitsumfeld sensibilisiert werden", so Freude. Dann könnten etwa Führungskräfte bei ihren Mitarbeitern, die an einem Burn-out leiden oder gefährdet sind, Veränderungen feststellen. Denn Anzeichen gibt es, wenn etwa sehr gute Mitarbeiter gleichgültig werden und sich mehr und mehr distanzieren. Auch seien verringerte Arbeitsleistungen sowie eine dauernde Unzufriedenheit typisch.

"Ein Burn-out-Prozess zieht sich oft über Jahre hin und wird erst spät bemerkt", sagt Adli. "Man hat den Eindruck, dass man in seiner Leistungsfähigkeit nachlässt, leichter abgelenkt ist und sich nicht so schnell erholt." Doch statt sich Ruhe und eine Auszeit zu gönnen, "legen viele Menschen noch eins drauf, um den gleichen Output abliefern zu können." Als Erstes werden also die Erholungsressourcen beschnitten, die man hat, sagt Adli. "Man leidet ohnehin an Schlafstörungen, steht aber eine Stunde früher auf, um ins Büro zu gehen." Denn vielen Arbeitnehmern sei es immens wichtig, eine intakte Fassade möglichst lange aufrechtzuerhalten.

büro

Müde, antriebslos, erschöpft - so beginnt der Burn-out in den meisten Fällen. Doch kaum jemand will diese Symptome wahrhaben.

(Foto: cydonna / photocase.com)

Frauen trifft es häufiger

"Der Burn-out trifft oft Menschen mit hohem Selbstanspruch und einer perfektionistischen Ader, die ihr Selbstbewusstsein über Erfolg im Job definieren", sagt Freude. Das Perfide am Burn-Out ist, dass er häufig Menschen mit Eigenschaften trifft, die einen guten Mitarbeiter auszeichnen - einen, der ehrgeizig ist und die Kontrolle haben möchte.

Allerdings sei es ein Vorurteil, dass Burn-out eine Manager-Krankheit ist. "Frauen sind häufiger betroffen - weil sie mit Familie und Beruf mehrere Vollzeitjobs gleichzeitig machen", sagt Freude. Auch Führungskräfte leiden häufig unter der Erschöpfungsdepression - "allerdings trifft es selten das Top-Management", sagt Adli. Betroffen sei eher die zweite Linie, "die von oben und von unten viel Druck bekommt". Zur Risikogruppe gehören zudem Vertreter der IT-Branche, die oft alleine und eigenbrötlerisch arbeiten müssen sowie Selbständige, die hohe Verantwortung und ein hohes Risiko tragen.

© Süddeutsche.de/infu/holz
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB