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Bewerbung:Wie stelle ich ein Trauma im Lebenslauf dar?

Natascha S. ist unsicher, wie sie in ihrer Bewerbung mit einer längeren Auszeit umgehen soll.

SZ-Leserin Natascha S. fragt:

Durch den fahrlässig verursachten Tod meines Bruders bin ich traumatisiert. Ich musste mich aus diesem Grund zwei Jahre stationär behandeln lassen. Leider lief zu Beginn dieser Zeit gleichzeitig mein befristetes Arbeitsverhältnis aus. Deshalb muss ich mich nach meiner Wiederherstellung neu bewerben. Wie formuliere ich diese Lebensphase in meinem Lebenslauf, ohne den Eindruck zu vermitteln, dass ich generell psychisch labil bin?

Christine Demmer antwortet:

Liebe Frau S., wir sind uns einig, dass ein Lebenslauf eigentlich keine Lücken aufweisen sollte. Sonst sinken die Chancen auf ein Vorstellungsgespräch und auf die ausgeschriebene Stelle. Personalverantwortliche sind darauf trainiert, Brüche im Lebenslauf und Ungereimtheiten in den Bewerbungsunterlagen aufzuspüren. Mehr als ein oder zwei Monate einfach unter den Tisch fallen zu lassen, bringt in der Regel nichts. So etwas weckt eher Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Bewerbers.

Der SZ-Jobcoach

Christine Demmer arbeitet als Wirtschaftsjournalistin. Sie ist Managementberaterin, Coach und Autorin zahlreicher Sachbücher.

Längere Krankheiten werden im Lebenslauf nach demselben Muster aufgeführt wie Berufstätigkeiten, chronologisch also zwischen zwei Stationen, deren Dauer Sie mit Zeugnissen belegen können. Die Erkrankung selbst müssen Sie nicht nennen, das ist Privatsache. Es reicht, wenn Sie den Zeitraum für die "Auszeit aus gesundheitlichen Gründen" exakt eingrenzen und hinzusetzen, dass Sie inzwischen völlig gesundet und außerordentlich leistungsbereit sind.

Im Vorstellungsgespräch darf man Sie nur dann nach der Erkrankung fragen, wenn diese in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der zu besetzenden Stelle steht. Das betrifft zum Beispiel Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Pflegekräfte. Bei einem so langen Zeitraum allerdings müssen Sie damit rechnen, dass man versuchen wird, Sie durch die Blume um nähere Erklärung zu bitten.

Wenn Sie schweigen, wecken Sie Misstrauen - schließlich könnten Sie auch eine Freiheitsstrafe verbüßt haben, wer weiß das schon. Um den Verdacht auszuräumen, sollten die Stichworte "Autounfall" und "Trauma" genügen. Runzelt Ihr Gegenüber noch immer die Stirn, bieten Sie an, ein polizeiliches Führungszeugnis beizubringen.

Noch etwas können Sie tun, um eventuelle Fragen zu Ihrer Leistungsfähigkeit gar nicht erst aufkommen zu lassen. Demonstrieren Sie in Ihrem Bewerbungsanschreiben Tatendrang. Etwa so: "Nach längerer Krankheit ist meine Gesundheit nun wieder völlig hergestellt. Ich bin hoch motiviert, mich wieder mit voller Energie ins Arbeitsleben zu stürzen."

Haben Sie auch eine Frage zu Berufswahl, Bewerbung, Arbeitsrecht, Etikette oder Führungsstil? Schreiben Sie ein paar Zeilen an coaching@sueddeutsche.de. Unsere sechs Experten wählen einzelne Fragen aus und beantworten sie im Wechsel. Ihr Brief wird komplett anonymisiert.

© SZ vom 27.02.2016/sks
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