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Bewerbung: Absage:"Ihre Unterlagen führen wir der Vernichtung zu"

Bewerbungen sind harte Arbeit. Ärgerlich, wenn Kandidaten nichtssagende Standardantworten bekommen, das Schreiben vor Ironie trieft - oder gar unverschämt ist.

Recherche auf der Internetseite des Unternehmens, Lebenslauf aktualisieren, stundenlang am Anschreiben herumtüfteln - Bewerber stecken häufig mehrere Tage Arbeit in ihre Bewerbungsmappe, um Personalentscheidern zu signalisieren: "Ich bin derjenige, den ihr unbedingt haben müsst!"

Shredder, iStock

"Wir führen Ihre Unterlagen der Vernichtung zu": Kandidaten wollen manchmal gar nicht so genau wissen, was Firmen mit ihrer Bewerbung tun.

(Foto: Foto: iStock)

Um so deprimierender, wenn ein Kandidat entweder überhaupt keine Rückmeldung erhält - oder aber eine Absage mit einer nichtssagenden Standardformulierung. "Es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen ...", "Wir bedauern außerordentlich ... ", "... haben uns nach reiflicher Überlegung für einen anderen Kandidaten entschieden ..."

Wer ist eigentlich "wir"?

Spätestens nach dem fünften Schreiben dieser Art sind Bewerber extrem demotiviert und nehmen den Unternehmen ihr Bedauern nicht mehr ab. Es tut ihnen leid? Ja, wo denn? Und wer ist eigentlich "wir"?

Absagen schmerzen, fast jeder nimmt sie persönlich und kann nicht besonders gut mit ihnen umgehen. Ein "Bitte lassen Sie sich von dieser Absage nicht entmutigen, doch wir haben uns für einen anderen Kandidaten entschieden"-Schreiben wirkt ungefähr so, als hätte man jemandem seine Zuneigung gestanden - der daraufhin antwortet: "Du bist ja auch ein Netter. Es tut mir leid, dass ich dir falsche Hoffnungen gemacht habe, aber aus uns wird einfach nichts."

Doch Unternehmen sollten dafür sorgen, dass sich der Frust der abgelehnten Bewerber in Grenzen hält. "Schließlich ist jeder Bewerber ein potentieller Kunde, den man nicht verlieren sollte", bestätigt Sörge Drosten, Partner bei der Personalberatung Kienbaum. Außerdem könne ein Kandidat, den man für eine bestimmte Stelle einmal abgelehnt habe, für eine andere Position durchaus in Frage kommen. "Es wäre ungeschickt, den Weg für eine solche zweite Chance zu verbauen."

Keine Chance auf dem Arbeitsmarkt

Man trifft sich immer zweimal im Leben, das weiß man auch bei anderen Unternehmen. "Auch der Kandidat, der eine Absage erhalten hat, soll das Unternehmen in guter Erinnerung behalten", sagt Susanne Jochheim, Personalleiterin bei Bosch. Sei der Kandidat gut, solle er sich schließlich auch ein zweites oder sogar drittes Mal bewerben. "Außerdem sollte man auch die menschliche Seite nicht außer Acht lassen. Mit jeder Bewerbung ist die Hoffnung auf einen Arbeitsplatz und einen Neuanfang verbunden."

Offenbar denken jedoch längst nicht alle Personalabteilungen so weit. Was sie vermutlich gedankenlos dahinschreiben, löst bei abgelehnten Kandidaten Frust aus. Liest ein Bewerber einen Satz wie "Hiermit senden wir Ihnen anbei Ihre Unterlagen zu unserer Entlastung zu", fühlt er sich schnell wie Ballast, der auf dem Arbeitsmarkt ohnehin keine Chance hat.

Auf der nächsten Seite: "Wir freuen uns, wenn Sie uns wieder einmal schreiben. Und richten Sie sich doch einfach mit uns ein." Warum das Gegenteil von gut nur gut gemeint ist.

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