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Bewerbungsgespräch:"Ich lese Faust, mein Vorbild ist Mutter Teresa"

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1. Nennen Sie uns Ihre drei größten Stärken und Schwächen.

Im Handbuch für Personaler muss dieser Satz gleich im ersten Kapitel auftauchen, denn in nahezu jedem Vorstellungsgespräch müssen Bewerber darauf eine Antwort parat haben. Die Interviewer wollen damit herausfinden, ob ihr Gegenüber in der Lage ist, zu reflektieren und ein selbstkritisches Urteil zu fällen. Stärken und Schwächen, die keinen Bezug zu der angestrebten Position haben, haben in der Antwort nichts zu suchen. Besitzt ein Bewerber die Fähigkeit, schnell mit fremden Leuten ins Gespräch zu kommen, bewirbt sich aber auf eine Stelle, bei der er überhaupt keinen Kundenkontakt hat, ist das für einen Personaler nicht relevant.

Da Fragen nach Stärken und Schwächen mittlerweile vollkommen üblich sind, steht in jedem Bewerbungsratgeber eine Antwort darauf. Empfohlen wird darin etwa, als Schwächen Ungeduld oder Perfektionismus einzugestehen, denn diese Eigenschaften können genauso gut als Stärken durchgehen

Allerdings hat jeder Personaler diese Antwort mindestens schon zehn Mal gehört. Anstatt ihn mit Standardphrasen zu langweilen, sollten Bewerber also lieber kreativer werden - und ruhig ein wenig ehrlich sein. Denn spielt der Kandidat nur eine Rolle, durchschauen das Personaler schnell. "Ich bin sehr kreativ, aber manchmal ein wenig unordentlich. Aber meine Termine halte ich selbstverständlich immer ein."

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2. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Welche ehrliche Antwort könnte es auf diese nervige Frage geben, die ebenfalls zum Standardrepertoire von Personalern gehört? "Ich will Chef sein - also Ihren Posten haben", vielleicht?

Anhand dieser Frage will der Interviewer herausfinden, ob ein Bewerber für sich selbst Perspektiven entwickelt hat und ob die sich mit den Unternehmenszielen und der ausgeschriebenen Stelle decken. Kandidaten können hier ruhig konkrete Positionen nennen. Sie sollten jedoch nicht dermaßen ehrgeizig erscheinen, dass der Vorgesetzte sich von ihnen bedroht fühlen könnte.

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3. Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Die Bibel? Der komplette Brockhaus? Oder doch lieber die Encyclopædia Britannica?

Behauptet jemand, neben seinem Bett liege Goethes Faust, geht jeder Personaler davon aus, der Bewerber habe seit seiner Schulzeit kein Buch mehr in der Hand gehabt. Einen allzu flachen Roman sollte man an dieser Stelle jedoch auch nicht nennen. In jedem Fall sollte es ein Titel sein, zu dem der Kandidat auch ein paar Fragen beantworten könnte. Man weiß ja nie: Vielleicht hat der Personaler ausgerechnet dieses Buch ebenfalls gelesen und fragt nun interessiert nach. Hat der Bewerber nur ein verlegenes Stottern parat, ist das ziemlich peinlich.

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4. Wie sind Sie mit Ihrem letzten Chef zurechtgekommen?

Diese Frage ist so abgedroschen, dass sie geradezu zu folgender Antwort provoziert: "Ganz schlecht. Er war ein Ignorant erster Güte und ich habe ihn zehn Mal in die Tasche gesteckt." Welcher Personaler glaubt, hier tatsächlich davon zu hören, dass so richtig die Fetzen flogen, ist absolut naiv.

Selbstverständlich ist der Bewerber gut mit allen ausgekommen, denn natürlich ist er ein Teamplayer und freut sich über Vorschläge oder Anregungen und hat auch mit klaren Anweisungen kein Problem.

Übertreiben sollte man es mit dem Eigenlob jedoch nicht. Schließlich kommt es in jedem Unternehmen mal zu Meinungsverschiedenheiten. Selbstverständlich ging es dabei immer um Sachfragen, die sich schnell klären ließen.

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5. Wie lange haben Sie vor, bei uns zu bleiben?

Die ehrliche Antwort würde hier wohl lauten: "Das kommt darauf an, wie es mir gefällt. Wenn es ganz schlimm kommt, gehe ich noch in der Probezeit. Wenn Sie mir keine Perspektiven bieten, mache ich mich nach spätestens zwei Jahren davon. Und wenn Sie mich schnell befördern, kann ich mir auch vorstellen, dass es zehn Jahre werden."

Die geschickte Antwort dagegen lautet: "Ich bin sehr an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert. Ich hoffe, dass ich in diesem Unternehmen mein Bestes geben kann und Sie und ich davon profitieren werden."

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6. Bisher haben Sie sich nicht besonders gut geschlagen. Oder was meinen Sie?

Ein Klassiker im Stressinterview - der Personaler möchte die Stressresistenz des Bewerbers testen. Bei einer solch unverschämten Frage gilt: Ruhig bleiben und sachlich kontern. "Das ist Ihre Meinung. Ich sehe das anders."

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7. Nennen Sie uns Ihr persönliches Vorbild.

Mutter Teresa, Martin Luther King oder Gandhi - diese Namen hat der Personaler vermutlich schon hundert Mal gehört. Genauso wie Nelson Mandela und Albert Schweitzer. Natürlich erhofft er sich von der Antwort des Bewerbers Rückschlüsse auf dessen Persönlichkeit. Aber woher soll der wissen, welche Assoziationen sein Held hervorruft?

Am unverfänglichsten ist es deshalb, jemanden aus dem direkten Umfeld zu wählen, den der Personaler unter keinen Umständen kennen kann - den eigenen Großvater etwa.

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8. Was denken Sie: Sollte ein Chef geliebt oder gefürchtet werden?

Mal ehrlich: Die meisten Bewerber möchten ihrem Chef nicht so nahe stehen, dass ausgerechnet von Liebe die Rede sein kann. Ein Monster an der Spitze der Abteilung will aber auch niemand haben. Am angenehmsten wäre es doch, den Vorgesetzten so wenig wie möglich zu Gesicht zu bekommen.

Die Antwort lautet jedoch: "Vorgesetzte sollten natürlich von Mitarbeitern akzeptiert werden. Trotzdem müssen sie, wenn nötig, klare Ansagen machen können, die dann auch befolgt werden."

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9. Wenn Sie noch einmal von vorne anfangen können, was würden Sie anders machen?

Eine harmlose Frage, hinter der sich eine fiese Falle verbirgt: Ist der Bewerber nur aus Zufall bei seinem Job gelandet, oder hat für ihn der Beruf tatsächlich mit Berufung zu tun?

Wer als Bewerber hier seine falschen Entscheidungen bedauert, hat alles falsch gemacht. Lieber sollte er Zufriedenheit signalisieren - mit der kleinen Einschränkung, in Zukunft natürlich noch höher hinaus zu wollen.

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10. Haben Sie sich noch woanders beworben?

Was Personaler sich von dieser Antwort versprechen, ist zweifelhaft. Berufsanfänger bewerben sich selbstverständlich nicht nur bei einem Unternehmen. Auch wirklich wechselwillige Erfahrene schicken ihre Unterlagen an mehrere Firmen.

Deshalb kann ein Bewerber ruhig ehrlich sein - zumindest ein bisschen: Hat er seine Mappe gleich an 15 Personalabteilungen geschickt, wirkt das ein wenig wahllos. Doch zwei oder drei andere laufende Bewerbungen kann er ruhig zugeben.

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(sueddeutsche.de/mri)

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