Berufsanfänger:Willkommen in der Wirklichkeit

Lesezeit: 3 min

Kompromisse zwischen Theorie und Praxis

Es wäre sehr zu wünschen, dass auf diese Weise die große Enttäuschung ausbleiben würde. Denn mit seinen Ideen, die oft echte Herzensangelegenheiten sind, nicht auf den erhofften Applaus zu stoßen, verkraftet sich nicht so leicht. Der Nachwuchs bleibt, nachdem der Vorgesetzte müde abgewinkt hat, frustriert zurück. Null Vision, null Motivation, null Selbstvertrauen.

"Es gibt da wirklich manchen Betonkopf, der das Verständnis dafür verloren hat, wie man sich am Anfang seiner Karriere fühlt", beanstandet Beraterin Sponagel. "Andererseits agieren die Neuen auch oft etwas nassforsch. Sie bringen ihre Vorschläge ohne Rücksicht auf die Perspektive des Vorgesetzten vor, und der versteht sie als persönliche Kritik. Die Einsteiger müssen lernen, wie man Ideen vermittelt."

Begeisterung an der richtigen Stelle

Bei diesem Missverständnis helfen all die schönen Angebote, die es heute für Karrierestarter gibt, nicht weiter: Rhetorikkurs, Bewerbungstraining, Stress- und Zeitmanagement-Schulung. Auf den Vorwurf, ein realitätsfremder, besserwisserischer Frischling zu sein, bereitet einen niemand vor. Und von Kompromissen zwischen den eigenen Vorstellungen und der unerschütterlichen Praxis in der Arbeitswelt ist auch keine Rede.

Aber: Sich auf die ersten Dämpfer im neuen Job einzustellen, heißt nicht gleich, dass Begeisterung und Idealismus im Keim erstickt werden müssen. "Ich finde es nicht falsch, enthusiastisch zu sein und neue Ideen zu haben. Man kann auch als Neuling schon eine Nische für sich finden und dort etwas stemmen", meint Sponagel. Allerdings müsse die Begeisterung an der richtigen Stelle eingebracht werden. Und, äh, wie ging das nochmal?

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema