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Beruflicher Neustart:Kaum noch Freizeit

Im vorigen Jahr haben sich nach einer Studie des Bundesbildungsministeriums so viele Deutsche zwischen 19 und 64 Jahren weitergebildet wie nie zuvor: 49 Prozent der Befragten, wobei auch persönliche Weiterbildungen wie das Erlernen einer neuen Sprache mitzählen. Immerhin 35 Prozent machten eine Schulung im Betrieb, während sich neun Prozent individuell um eine Weiterbildung kümmerten.

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Kantinen-Typologie: "Ich muss dann auch schon wieder los"

Wer seine Mittagspause mit Kollegen in der Kantine verbringt, erlebt so einiges. Manch eine Essgewohnheit sagt mehr über den Arbeitnehmer aus, als ihm lieb ist. Eine Typologie.

Nicht alle können vor der Weiterbildung ein finanzielles Polster für diese Zeit anhäufen. Selbst wenn der Betrieb den Karriereschritt zum Beispiel vom Dreher zum Techniker unterstützt und den Mitarbeiter für eine zweijährige Ausbildung freistellt, verdient er in dieser Zeit nichts.

Wer jünger als 30 Jahre alt ist, kann Bafög beantragen. Andere machen die Fortbildung neben der Vollzeit-Arbeit, reduzieren diese oder suchen einen weniger anstrengenden Übergangsjob. Doch dann verlängert sich die Dauer, beim Techniker zum Beispiel auf drei bis vier Jahre - eine immense Belastung, da kaum noch Freizeit bleibt.

"Hobbys fallen erst mal weg"

"Wir haben keine Zahlen, wie viele Abbrecher es bei den Weiterbildungen gibt", sagt Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Doch müsse sich jeder bewusst sein, dass er den Weg nur dann zurücklegen werde, wenn er das Ziel klar vor Augen habe und sich stark diszipliniere: "Hobbys fallen da erst mal weg." Noch dazu sei das Lernen selbst nach langen Arbeitsjahren ungewohnt. "Man muss sich von Anfang an dahinterklemmen, auch wenn man denkt, die Grundlagen kenne man ja schon. Sonst verliert man den Anschluss", sagt Ebsen.

Eine Altersgrenze gebe es nicht: "Heute gilt lebenslanges Lernen." Zwar rate er 55-Jährigen nicht mehr unbedingt zur Umschulung, doch wertvolle Zusatzqualifikationen könnten auch in einem halben Jahr erworben werden.

Frank Philipp hat seine Entscheidung nicht bereut, ist aber auch dankbar für die Erfahrung als Produktmanager. "Das kam bei den ersten Arbeitgebern gut an. Wenn wir Windparks planen, müssen wir das Projekt auch in den Gemeinden präsentieren, also dafür werben", sagt er. Inzwischen wurde er von einem Headhunter abgeworben und arbeitet bei einer anderen Firma als Projektentwickler für Windparks. "Ich bin da angekommen, wo ich hinwollte."