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Ausbildung:Viele Berufsschüler wissen gar nichts von der Option

Aufgewertet durch den USA-Trip musste seine Lehre also nicht werden. Durch Zufall hatte er vom Stipendium für Azubis erfahren, das die Joachim-Herz-Stiftung mit dem bayerischen Kultusministerium und der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer anbietet. Er bewarb sich, holte Bestätigungen von Betrieb, Kammer, Berufsschule ein - und wurde genommen. Ein Rundum-Paket erwartete ihn: Stipendium, Vermittlung, eine Gastfamilie, ein Kulturprogramm. Davor: Auffrischung in Englisch. Mitgenommen hat er übrigens ein viel besseres Englisch. "Eine Mischung aus bayerischem Schulenglisch und Atlanta-Slang. Nicht schön, aber funktioniert."

Nach der Rückkehr aus den USA wurde er mit Fragen belagert. Oft mit dem Zusatz: "Machen die denn das auch ordentlich, die Amis?" Antwort: Ja, machen sie. Im Konzern hat er in Umweltlaboren mitgearbeitet, dort tüftelt man an optimalen Kühlgeräten für heiße Länder.

Kollegen, Berufsschüler, Lehrer, Ausbilder hierzulande wissen oft gar nichts von der Option. Das USA-Programm "ist für uns ein wichtiger Baustein, um Ausbildungsgänge gleichberechtigt neben einem Studium zu fördern", sagt Andrea Pauline Martin, Vorstandsmitglied der Stiftung. "Wir hoffen, dass es Nachahmer unter den Trägern der dualen Ausbildung findet."

Bis zu 30 Azubis schickt man derzeit in die USA. Ein Vorbild? Tatsächlich sind die jetzigen Möglichkeiten bescheiden. Viele mobile Azubis beziehen Geld aus dem Erasmus-Programm. Es ist kaum bekannt, dass es auch berufliche Bildung fördert. Doch volle Kostendeckung ist selten, zudem müssen entsendender und aufnehmender Betrieb alles selbst organisieren. Es gibt einige weitere Programme. Doch es fehlen: feste Schienen für Azubis, durchgeplant wie im Modell der Stiftung.

Leichter tun sich große Unternehmen. Beispiel RWE: Der Energiekonzern mit mehr als 2000 Azubis bietet etwa im kaufmännischen Bereich an, in England Praktika oder Sprachkurse zu machen. Zuletzt nutzten das laut einer Sprecherin die Hälfte der Lehrlinge. "Das Unternehmen verspricht sich einerseits eine Steigerung der Attraktivität als Ausbildungsbetrieb. Außerdem spielt natürlich die Internationalität des Konzerns eine Rolle." Zum Teil setzt RWE sogar Erasmus-Mittel ein. Ein Portal des Bundesinstituts BIBB (www.go-ibs.de) informiert über alle Angebote, vor allem kleine und mittlere Unternehmen seien häufig auf Rat angewiesen. Und auch die anderen Länder sollen etwas davon haben, Ministerin Wanka sagt: "Unsere Azubis sind im Ausland gute Botschafter. Das duale System stößt auf großes Interesse, vor allem in Ländern, in denen zurzeit die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch ist."

Kilian Zimmermann kann das bestätigen. In Atlanta war dem Praktikum ein Kurs an einem Technik-College vorgeschaltet. Das war spannend für den Münchner, als Banknachbarn hat man ihm einen 50-jährigen Golfkrieg-Veteranen zugeteilt. "Theoretisch wirklich guter Unterricht; aber praktisch werden die College-Absolventen recht blauäugig in den Job geschickt", so Zimmermann. Denn es gebe meist nur simulierte Bedingungen. "Beim Kunden ist es nie so, man muss als Handwerker schnell improvisieren lernen."

© SZ vom 13.02.2016/mkoh

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