Arbeitnehmerrechte beim Urlaub Wann darf ein Unternehmen seinen Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückholen?

Streng genommen überhaupt nicht. Selbst wenn der Arbeitsvertrag eine Klausel enthält, wonach der Arbeitnehmer verpflichtet ist, auf Anweisung seines Chefs den Urlaub abzubrechen, ist diese regelmäßig unwirksam (Bundesarbeitsgericht, Az.: 9 AZR 404/99). Eine zwangsweise vorzeitige Heimreise ist daher nur in Extremsituationen denkbar. "Es müsste schon ein absoluter Notfall vorliegen, um die Rückkehr zwingend erforderlich zu machen", erläutert Anwältin Claudia Rid. Dass die Urlaubsvertretung plötzlich erkrankt, sei dafür zum Beispiel nicht ausreichend. Zudem sei der Arbeitnehmer nicht verpflichtet, seinen Urlaubsort mitzuteilen oder während der Ferien ständig erreichbar zu sein.

Und wenn es doch einmal zum Äußersten kommt? "Dann muss das Unternehmen die durch den Urlaubsabbruch entstehenden Kosten erstatten - inklusive etwaiger Mehraufwendungen, die beim Nachholen der Reise zu einem anderen Termin entstehen", sagt Rechtsanwältin Rid.

Manager-Typologie

So nicht, Chef!

Muss der Chef der Belegschaft Urlaubsgeld bezahlen?

Einen gesetzlichen Anspruch auf die Extrazahlungen gibt es zwar nicht. Arbeitnehmer können aber immer dann Urlaubsgeld verlangen, wenn dies per Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder durch den eigenen Arbeitsvertrag vorgeschrieben ist.

Gleiches gilt, wenn das Unternehmen freiwillig in drei aufeinanderfolgenden Jahren Urlaubsgeld gezahlt und nicht darauf hingewiesen hat, dass aus dieser Praxis kein Anspruch für die Ewigkeit entstehen soll. In solchen Fällen einer "betrieblichen Übung" dürfen sich Arbeitnehmer darauf verlassen, auch in den Folgejahren Urlaubsgeld zu erhalten.

Wann verfallen nicht genommene Urlaubstage?

Wer seinen Jahresurlaub nicht spätestens in der Silvesternacht aufgebraucht hat, muss damit rechnen, dass ihm die überschüssigen Tage gestrichen werden. Nach der Rechtsprechung verfällt der Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub mit Ablauf des Kalenderjahres. Etwas anderes gilt nur, wenn es dafür dringende betriebliche Gründe gibt - etwa weil das Unternehmen eine Urlaubssperre verhängt hat. Gleiches gilt, wenn der Arbeitnehmer wegen einer langen Krankheit seine freien Tage nicht abfeiern konnte. In beiden Konstellationen ist es ausnahmsweise erlaubt, den Anspruch ins neue Jahr hinüberzuretten.

Spätestens am 31. März des Folgejahres muss der Resturlaub aber dann abgefeiert sein - sonst ist er endgültig verloren. Einzige Ausnahme: Ist ein Arbeitnehmer während des gesamten Jahres krank, erlischt sein Urlaubsanspruch erst zum 31.März des übernächsten Jahres, also 15 Monate nach dem normalen Verfallsdatum. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden (Rs. C 350/06 und C 520/06). Beschäftigte, die ein ganzes Jahr krank waren und deshalb nicht in die Ferien fahren konnten, haben damit also Anspruch auf ihren regulären Jahresurlaub. Sie dürfen ihn in voller Höhe nachholen, sobald sie wieder gesund sind.

Kurios Insel in Sicht, nur welche?
Reise-Quiz

Insel in Sicht, nur welche?

Jede Insel hat einen ganz eigenen Umriss, aber den sieht man nur von oben. Erkennen Sie, welche Insel Sie beim Landeanflug vor sich haben? Ein Video-Quiz.