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Serie "Arbeiten nach Corona":Diese Branchen stellen ein

Telekom-Logo an einem Stand auf der Messe ANGA COM - Where Broadband meets Content in der Koelnmesse. KËÜln, 06.06.2019

Es ist nicht alles schlecht: In den Branchen Software und IT-Diensteistungen gibt es nach einer Studie mehr Stellen als im Vorjahr.

(Foto: Christoph Hardt/imago images; Bearbeitung SZ)

Wer momentan einen Job sucht, hat es nicht leicht. In vielen Sparten ist die Nachfrage nach Arbeitskräften stark eingebrochen. Doch es gibt auch Hoffnung.

Von Katharina Müller

Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen hat Deutschland in den vergangenen Wochen ein erhebliches Stück an Normalität zurückgewonnen. Die Probleme der deutschen Wirtschaft sind damit aber noch lange nicht gelöst. Zwar stabilisiert der massive Einsatz von Kurzarbeit einen explosionsartigen Anstieg der Arbeitslosigkeit, doch gleichzeitig ist die Nachfrage nach Arbeitskräften stark eingebrochen. Im Juni waren rund 570 350 freie Stellen bei der Arbeitsagentur für Arbeit gemeldet - mehr als 227 300 weniger im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ein Rückgang von fast 30 Prozent.

Selbst in wirtschaftlich guten Jahren werden viele Menschen arbeitslos, finden dann aber oft zügig einen neuen Job. Das ist jetzt anders. Weil fast alle Unternehmen von der Corona-Krise betroffen sind, stellen viele nicht mehr ein. Besonders hart trifft das Uni-Absolventen, fertig ausgebildete Lehrlinge, aber auch Menschen, die nach einer Pause für die Familie wieder arbeiten wollen. Für sie sind die Aussichten trüb. Eine gemeinsame Erhebung vom Ifo-Institut mit dem Karrierenetzwerk Linkedin gibt nun immerhin einigen Jobsuchenden Hoffnung. Denn wie bei jeder Krise eröffnet die Disruption durch die Corona-Pandemie auch Chancen für Innovationen. Deutschlands Wirtschaft jedenfalls stellt sich aktuell auf eine Post-Corona-Welt ein, die nach neuen und vor allem digitaleren Regeln funktionieren soll. In einigen deutschen Unternehmen hat der große Umbau bereits begonnen.

Doch um diesen Wandel voranzutreiben, braucht es qualifiziertes Personal. Zu diesem Ergebnis kommt die Ifo-Auswertung. Demnach hat die Zahl der Stellenanzeigen auf Linkedin von März bis Mai 2020 in der Branche Software und IT-Dienstleistungen um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt. In diesem Zusammenhang spricht Studienautor Oliver Falck eine klare Empfehlung aus: Das Konjunkturprogramm sollte von einer Bildungsoffensive zur Vermittlung digitaler Kompetenzen begleitet werden. "Insbesondere der Weiterbildung bestehender Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kommt hier eine besondere Rolle zu", sagt er. So sieht es auch der Branchenverband Bitkom. Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder betont, dass es in der IT für einschlägig Qualifizierte eine große Zukunft gebe. Er mahnt aber gleichzeitig, dass es zunehmend schwer sei, Fachkräfte zu finden. Ende 2019 seien bereits 124 000 IT-Stellen unbesetzt gewesen.

Zehntausende Fachkräfte fehlen unterdessen auch im Gesundheitssektor - dabei ist zwischen März und Mai auch hier der Bedarf an Personal sprunghaft gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr legte die Anzahl der Stellenanzeigen laut Ifo-Auswertung um 46 Prozent zu. Dennoch tut sich die Geschäftsführung der Deutschen Krankenhausgesellschaft schwer, von einem Beschäftigungsboom zu sprechen. Man habe aber in den vergangenen Monaten beobachtet, dass Kliniken in den Corona-Hotspots ehemaliges und inaktives Personal reaktiviert hätten. Etwa aus der Rente, Eltern- oder Altersteilzeit. Um der Nachfrage langfristig nachzukommen, müsse die Branche aber andere Wege finden.

Am Donnerstag, 16. Juli, lesen Sie: Wie man im Home-Office Karriere machen kann. Alle Folgen der Serie gibt es online unter: SZ.de/arbeitennachcorona.

© SZ vom 14.07.2020

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