Arbeiten bei der Feuerwehr:"Als Feuerwehr arbeiten wir in einem Null-Fehler-Bereich"

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Nach einer Zwischenprüfung lernen die Nachwuchskräfte das spezielle Feuerwehr-Handwerk. Der Umgang mit Rettungsmitteln gehört dazu, aber auch ein Atemschutz-, ein Sanitätslehrgang sowie eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer. Das Ganze sei sehr anspruchsvoll, sagt Ausbildungsleiter Tuman. Bewerber müssten daher nicht nur körperlich fit sein, sondern auch gern im Team arbeiten. Gute Noten in den naturwissenschaftlich-mathematischen Fächern werden verlangt, und die Bewerber müssten zuverlässig sein, bereit sein, Verantwortung für sich und die Kollegen zu übernehmen. "Als Feuerwehr arbeiten wir in einem Null-Fehler-Bereich", sagt Tuman. Die Dienstvorschriften müssten absolut verinnerlicht und sämtliche Abläufe immer wieder trainiert werden, damit im Einsatz alles klappt.

Entsprechend verantwortungsbewusst wirkt auch Niklas Hallermeier, trotz seines jungen Alters. Der 19-Jährige hat erst vor Kurzem seine Ausbildung bei der Werkfeuerwehr von Bayernoil in der Nähe von Ingolstadt beendet. "Brutal viel im Auto unterwegs" sei er in der Zeit gewesen, erzählt er. Denn die insgesamt zwölf Werkfeuerwehren in Bayern, die mittlerweile den Ausbildungsberuf anbieten, arbeiten eng zusammen. So absolvierte Hallermeier seine Metallerausbildung beispielsweise bei Audi in Ingolstadt, seine Praktikumszeit als Sanitäter verbrachte er auf einer Rettungswache des Roten Kreuzes in Burghausen. Im Gegenzug kommen andere Werkfeuerwehr-Azubis zu Bayernoil, um dort unter anderem den Umgang mit chemischen und Petrolstoffen zu lernen.

Aber nicht nur viele Werkfeuerwehren orientieren sich bei der Suche nach Nachwuchs um, auch Berufsfeuerwehren, beispielsweise in Hamburg, Berlin oder Frankfurt am Main, bieten Schulabgängern den Direkteinstieg. Denn ähnlich wie bei den Werkfeuerwehren ist auch bei den kommunalen Rettern absehbar, dass sich in den kommenden Jahren zahlreiche Mitarbeiter in den Ruhestand verabschieden, sagt der Bonner Feuerwehrchef Jochen Stein.

Wenn´s brennt...

...eilt die Feuerwehr herbei. Aber nicht nur dann: Die Feuerwehren werden oft auch bei Unfällen oder Überschwemmungen, bei Unwettern und mitunter auch bei medizinischen Notfällen alarmiert. In den allermeisten Regionen Deutschlands rücken bei einem Notruf die Helfer der freiwilligen Feuerwehr aus. In den bundesweit 22 690 freiwilligen Feuerwehren sind nach Angaben des Deutschen Feuerwehrverbandes insgesamt fast 997 000 Ehrenamtliche organisiert (Stand: Dezember 2015).

Größere Städte unterhalten zudem Berufsfeuerwehren mit hauptamtlichen Kräften. Bundesweit gibt es dem Verband zufolge exakt 105 Berufsfeuerwehren, diese beschäftigen mehr als 31 000 hauptberufliche Feuerwehrleute, darunter nur 359 Frauen. Die bundesweit mehr als 730 Werkfeuerwehren sind in der Regel in Unternehmen aktiv, von denen eine gewisse Gefahr ausgeht, etwa in der chemischen Industrie, in großen Automobilwerken oder an Flughäfen. Aber auch die Technische Universität München zum Beispiel unterhält an ihren Standorten in Garching und Weihenstephan bei Freising eine Werkfeuerwehr - unter anderem, weil in Garching seit 1957 ein Forschungsreaktor betrieben wird. Marco Völklein

Hinzu kommt: Viele Städte wachsen, die Einwohnerzahlen steigen. Und damit auch die Anforderungen an die Feuerwehr. So müssen zum Beispiel zusätzliche Fahrzeuge besetzt oder ganze Feuerwachen neu in Betrieb genommen werden, um zum Beispiel Neubauviertel abzudecken. Die Feuerwehren stünden vor "herausfordernden Jahren", sagt Stein. Mancherorts sind Wachen unterbesetzt, Überstunden und Arbeitsverdichtung sind die Folge, klagen Personalräte. Und: Manch ein Feuerwehrmann tut sich schwer, mit seinem Beamtensalär in teuren Metropolen eine bezahlbare Wohnung zu finden. Etwa 3000 Euro brutto im Monat verdient ein Feuerwehrmann im mittleren Dienst zu Beginn seiner Laufbahn, sagt Stein - die Höhe sei von Bundesland zu Bundesland verschieden und von der Familiensituation abhängig.

Die Kollegen bei den Werkfeuerwehren verdienen teils besser, denn deren Gehälter werden nach dem jeweiligen Branchentarif bezahlt - die Brandbekämpfer von Bayernoil und BASF beispielsweise nach dem Chemie-, die von BMW oder Bosch nach dem Metalltarif. Mitunter gibt es auch noch zusätzliche Haustarife.

Wichtig sei auch, findet Stein, künftig weibliche Kandidaten für den Beruf zu begeistern. "Mehr Frauen - das kann der Feuerwehr als System nur guttun." Eine der wenigen, die als Frau den Einstieg in den Beruf gewählt hat, ist Victoria Werner aus Regensburg. Die 20-Jährige hat ebenfalls erst vor Kurzem als Azubi bei der Münchner Flughafenfeuerwehr angefangen; zuvor hat sie eine Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin absolviert.

Den Traum, zur Feuerwehr zu gehen, hegte sie schon lange, "wegen des harten Auswahlverfahrens habe ich mich aber die ganzen Jahre nicht getraut". Dann fasste sie sich ein Herz, bereitete sich intensiv vor - und freut sich nun darauf, bald "eines der großen FLF zu fahren", wie sie sagt. FLF - das sind die bis zu 1000 PS starken, extrem geländegängigen Flugfeldlöschfahrzeuge, mit denen die Retter mehrere Tausend Liter Wasser an die Einsatzstelle bringen können. Als sie davon erzählt, leuchten ihre Augen. Ein Job bei der Feuerwehr - es ist ihr Traumjob.

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