Aktiv im Ruhestand:Bufdi mit fast 70

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Josef Steingruber nimmt am Bundesfreiwilligendienst teil

"Mit Behinderten kommt man schnell in Kontakt": Josef Steingruber, 68

(Foto: privat)

Rentner sitzen nur im Sessel und warten auf den Fernseh-Vorabend oder den Tod? So ein Quatsch! Wer heute in den Ruhestand geht, hat alle Möglichkeiten: als Aupair ins Ausland, als Bufdi engagieren, noch mal studieren oder gleich eine Weltreise. Vier Senioren erzählen.

Von Sarah K. Schmidt

Josef Steingruber, 68 Jahre alt, betreut im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes Behinderte

Früher habe ich als Techniker im Außendienst für die Telekom gearbeitet. Mit Mitte 50 wurde ich in den Vorruhestand geschickt. "Pensionist? Ich fühl mich doch nicht als Pensionist!" Das habe ich damals gedacht - und das denke ich auch heute noch mit 68.

Ich habe dann elf Jahre für einen Fahrdienst der Caritas gearbeitet und Menschen mit Behinderung chauffiert. Dann hat ein Privatanbieter ein besseres Angebot gemacht und ich war meinen Job wieder los. Meine jetzige Arbeitsstätte, die Ulrichswerkstätten, habe ich häufig angefahren - so kam ich auf die Idee, mich dort für den Bundesfreiwilligendienst zu bewerben.

Seit April 2012 betreue ich die Metallbearbeitung. Mir liegt das Handwerkliche - und Metallbearbeitung, das hatte ich schon zu Beginn meiner Lehrzeit 1959. Mit Menschen hatte ich auch schon immer gern zu tun. 15 bis 20 Leute mit geistiger Behinderung sind in meiner Gruppe. Mit Behinderten kommt man schnell in Kontakt. Die reden gleich über alles, fragen alles, auch private Sachen. In der Werkstatt war das Schwierigste, dass ich erst einmal rausfinden musste: Wer kann was?

Bei den Seminaren vom Bundesfreiwilligendienst haben sich die Jüngeren anfangs schon ein bisschen gewundert, als ich aufgetaucht bin. Aber dann haben sie sich schnell an mich gewöhnt.

Ich arbeite halbtags, das passt mir gut. Ich habe ja noch Hobbys, den Haushalt und ich reise sehr gerne. Ich war in Ägypten, auf La Palma und kürzlich am Wochenende in Meran. Ich kann von meiner Rente ganz gut leben, aber von dem Geld aus dem Bundesfreiwilligendienst gönne ich mir dann die Reisen.

Der Bundesfreiwilligendienst steht Erwachsenen jeden Alters offen, die sich im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich engagieren wollen. Die Einsatzstellen zahlen den "Bufdis" ein Taschengeld, maximal beträgt dies 348 Euro im Monat. Alle wichtigen Informationen hat das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zusammengestellt: www.bundesfreiwilligendienst.de

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