WHO-Entscheidung Malaria-Impfstoff soll nicht eingesetzt werden

In einer Studie mit 16000 Kindern verhinderte der Impfstoff etwa ein Drittel der Malariafälle. Dennoch sprach sich die WHO gegen seinen EInstaz aus.

(Foto: Katrina Manson/Reuters)

Die WHO spricht sich gegen den Einsatz eines neuen Malaria-Impfstoffs aus. Doch es gibt noch eine Hoffnung für das Mittel.

Von Kai Kupferschmidt

Die Menschheit verfügt endlich über einen Impfstoff, der vor Malaria schützt. Doch dieser soll erst einmal nicht eingesetzt werden. Das haben die Impfexperten der Weltgesundheitsorganisation vergangene Woche in Genf empfohlen. Die Effektivität des Malaria-Vakzins sei zu begrenzt und die dafür nötige Impfroutine zu aufwendig, so die Begründung. Der Impfstoff namens RTS,S oder Mosquirix von GlaxoSmithKline hatte im Juli von der Europäischen Arzneimittelagentur die Freigabe erhalten und sollte zunächst in Pilotstudien in Afrika eingesetzt werden, sagt Jon Abramson, Vorsitzender der Strategischen Beratergruppe von Impfexperten (SAGE).

Es war keine leichte Entscheidung, die die Experten in Genf zu fällen hatten. Einerseits ist Mosquirix ein großer Erfolg. Es ist der erste Impfstoff gegen einen Parasiten und in einer großen Studie mit 16 000 Kindern verhinderte er etwa ein Drittel der Malariafälle. Damit bietet der Impfstoff zwar einen wesentlich geringeren Schutz als Vakzine gegen andere Krankheiten. Trotzdem könnten damit jährlich mehr als 100 000 Leben gerettet werden. Schließlich sterben fast 500 000 Menschen an der Krankheit. Doch damit der Impfstoff selbst seine schwache Wirkung entfaltet, müssen Kinder viermal geimpft werden, und das ist in den von Malaria betroffenen Ländern kaum zu organisieren.

Die ersten drei Dosen erhalten Kinder mit einem Abstand von je einem Monat, die vierte folgt eineinhalb Jahre später. "Die entscheidende Frage ist, wie wir diese vier Dosen am besten geben können," sagt Abramson. Das sollen nun drei bis fünf Pilotstudien untersuchen. Jede Studie könnte bis zu 200 000 Kinder in malariageplagten Regionen umfassen. Erst wenn die Daten der Studien vorliegen, also in einigen Jahren, könne eine endgültige Entscheidung fallen, sagt Abramson: "Wenn wir die Kinder nicht viermal impfen können, dann werden wir den Impfstoff nicht nutzen."

Micaela Serafini von Ärzte ohne Grenzen nennt die Entscheidung der WHO "rational". Besonders stark von Malaria geplagte Gegenden verfügten eben oft auch über sehr schwach ausgebaute Gesundheitssysteme. "Die erfolgreiche Einführung von RTS,S in diesen Gegenden wäre extrem schwierig." Das Geld dafür sollte besser in Medikamente oder vorbeugende Maßnahmen wie Bettnetze investiert werden. Zudem sei es wichtig, den Impfstoff zu verbessern, sodass ein Einsatz künftig Sinn ergibt.