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Tumore:Wenn Kleinwüchsige keinen Krebs bekommen, sind Große dann häufiger betroffen?

Trotz der unklaren Aussagekraft und vieler offener Fragen verbergen sich hinter dem Thema Krebs und Körpergröße faszinierende Gedankenspiele. "In der Wissenschaft wird schon lange darüber diskutiert", sagt Martin Bidlingmaier, Hormonexperte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "In den 1990er-Jahren gab es Hinweise darauf, dass Patienten mit Akromegalie häufiger an Tumoren der Prostata, des Dickdarms und der Schilddrüse leiden." Bei dieser Krankheit produziert ein Tumor der Hirnanhangsdrüse vermehrt Wachstumshormon; in der Jugend führt dies zu Riesenwuchs, bei Erwachsenen vergrößern sich Hände, Füße, Nase, Ohren, Zunge und innere Organe. "Je größer und gründlicher die Studien, desto kleiner wurde jedoch die Evidenz", sagt Bidlingmaier. "Der Zusammenhang war allenfalls schwach ausgeprägt."

Unterstützung für die Hypothese, wonach übermäßige Körperlänge zu übermäßigem Krebswachstum führen kann, kam vom anderen Ende des Meterstabs. Der Hormonexperte Jaime Guevara-Aguirre untersuchte in den 1980er-Jahren Bewohner einer entlegenen Region im Südwesten Ecuadors. Dort leben Hunderte Menschen, die höchstens 1,30 Meter groß werden.

Unter dem romanhaften Namen "Die kleinen Frauen von Loja" publizierte Guevara seine Befunde 1990 im New England Journal of Medicine. Ein Mangel an einem Hormon, dem Insulin-like Growth Factor 1, (IGF-1), sowie des Rezeptors für Wachstumshormon war demnach für den Minderwuchs verantwortlich. Mindestens so erstaunlich war, dass keiner der klein geratenen Erwachsenen Krebs bekam oder Anzeichen für die Entstehung von Tumoren aufwies.

Kein Wachstumshormon, keine Tumoren - viel Wachstumshormon, viele Tumoren. So könnte man die Befunde deuten. Zudem hatten Studien im Labor gezeigt, dass Tumorzellen in Kultur schneller wachsen und stärker entarten, wenn sie mit Wachstumshormon oder einem seiner Nachfolgeprodukte wie IGF beträufelt wurden.

Wachstumshormon führt nicht direkt zum Längenwachstum, der Größenschub der Knochen wird über IGF vermittelt. "Aus indirekten Hinweisen im Labor auf den Zusammenhang zwischen Größe und Krebs zu schließen, ist gewagt", sagt Martin Bidlingmaier. "Große Menschen sind ja nicht lebenslang erhöhten Spiegeln an Wachstumsfaktoren ausgesetzt." Das Längenwachstum findet nur zu bestimmten Zeiten statt. Zwei intensive Jahre in der Pubertät reichen, um größer als der Durchschnitt zu werden. Die Tumorentstehung ist hingegen ein langwieriger Prozess, der auf chronischen Einflüssen beruht.

Hormonexperte Bidlingmaier gibt zudem Entwarnung, was die Therapie gegen Minderwuchs angeht. "Es gab schon lange den Verdacht, dass die Behandlung mit Wachstumshormon die Krebsgefahr erhöhen könnte", sagt der Arzt. "Nach vielen Untersuchungen und dem bestem Wissen gibt es jedoch keinerlei Hinweise dafür, dass die Therapie die Tumorhäufigkeit erhöht."

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