Trinkwasser Bayern verschont?

Natürlicherweise leben Wasserasseln, die bis zu zwei Zentimeter lang werden, in stehenden oder langsam fließenden Gewässern, wo sie sich von zerfallenden Pflanzenresten ernähren. Ihr vom Rücken zum Bauch hin abgeplatteter Körper ist in neun Glieder geteilt. Sie besitzen sowohl Lungen wie auch Kiemenanhänge, können allerdings nicht schwimmen. Mit ihren sieben Beinpaaren krabbeln sie auf glatten Oberflächen herum und widerstehen starker Strömung.

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Bakterien

Das Weibchen legt bis zu 100 Eier in einen Brutsack, und nach einigen Wochen schlüpft der Nachwuchs, der rasch wächst. Trocknen die Tümpel, Pfützen oder Bäche aus, gräbt sich die Assel in den Schlamm ein und kann dort sogar monatelange Frostphasen überleben. Sie hält Wassertemperaturen von weniger als vier Grad aus. Und offenbar findet sie auch Gefallen an Trinkwasserrohren.

Entlang der Rohre sammeln sich allerlei organische Substanzen, von denen die Assel gut leben kann. Diese werden von Bakterien gefressen, und von denen ernähren sich wiederum die Asseln; auch tote Artgenossen werden vertilgt. Obendrein machen der Assel Ozon und Chlor, die gängigen Chemikalien zur Wasseraufbereitung, recht wenig aus. Um eine Assel zu töten, wäre so viel Chlor nötig, dass das Trinkwasser ungenießbar werden würde. Ozon, UV-Bestrahlung oder Ultraschall erwiesen sich ebenfalls als wirkungslos.

Die deutschen Wasserversorger, organisiert im Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, verweisen auf ein Gutachten, in dem steht, dass es die Asseln in Wasserrohren gibt, seit es Wasserrohre gibt, und wie sie bekämpft werden können.

Die Belastung der deutschen Trinkwassernetze mit Asseln scheint demnach regional recht unterschiedlich zu sein. Während im Norden und Osten viel Oberflächenwasser, beispielsweise aus Talsperren oder Flüssen, als Trinkwasser genutzt wird, können Wasserwerke im Süden auf Grundwasser setzen, das den Tieren weniger Nahrung bietet. Bereits im Jahr 2001 kam eine Studie zu dem Schluss, dass etwa im Osten Berlins viele Asseln im Rohrnetz leben.

In Bayern seien die Asseln kein Problem, beruhigt Jörn-Helge Möller vom Verband der Energie- und Wasserwirtschaft. Das Wasser stamme größtenteils aus Grundwasser, "und in unseren Leitungen bildet sich kaum oder nicht in ausreichendem Maße der Film, von dem die Asseln leben". Generell kommen in Grundwasser wesentlich weniger Organismen vor als in Talsperrenwasser. Je nach Herkunft leben in einem Kubikmeter Talsperrenwasser bis zu 7700 Organismen, in Grundwasser hingegen weniger als 1000, vor allem Kleinkrebse und Rädertiere.

Das Wasser enthalte weniger Kohlenstoffverbindungen, sagt Möller, und vor allem würden die Rohre wegen eines höheren Wasserverbrauchs - er liegt in Bayern nach Möllers Angaben bei 140 Litern pro Kopf und Tag, in Brandenburg nur bei etwa 90 - häufiger durchgespült.