Schlafstörung:Alles schläft, einsam wacht

Till

Wer sich oft gezwungen sieht, den Mond anzustarren, kann ihn sich auch zum Freund machen.

(Foto: Thomas Rousset)

Seit einiger Zeit wird unser Autor jede Nacht hellwach. Erst verzweifelte er. Jetzt liebt er die geschenkten Stunden.

Von Till Raether, SZ-Magazin

Eines Nachts im Frühjahr war es vorbei bei mir. Ich wachte um drei auf, lag wach und suchte in der Peripherie des Schlafes nach einem verborgenen Eingang. Ich fand ihn nicht. Nach ein paar Minuten wieder einschlafen, wie sonst: Das ging nicht, es war, als hätte ich es verlernt. Und so war es auch in den folgenden Nächten. Erst dachte ich: Ach du Scheiße. Das hatte mir noch gefehlt. Das moderne Leben mit Job, Kindern, Trumpnachrichten, Onlinegequatsche und der deutlich spürbaren, aber nur vage umrissenen Vorstellung, das könnte ja wohl nicht alles gewesen sein, oder es ist zu viel - dieses Leben ist auf seine Weise hart genug. Wie soll ich es durchstehen, ohne durchzuschlafen? Normalerweise redet man ja über sich selbst wie über ein Kind im Windelalter: Die Nacht war gut, ich habe durchgeschlafen.

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