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Röntgen:Zu viel Durchblick

Wenn die Prognose gut ist, sind mehr als 40 Prozent der Aufnahmen bei Brust- und Prostatakrebs überflüssig. Mehr noch, sie schaden den Patienten. Dennoch hält sich hartnäckig die Praxis, viele Röntgenbilder zu machen.

Zahlreiche Röntgenaufnahmen sind überflüssig. 80 Prozent der Bilder bei Rückenschmerzen gelten als unnötig, weil sich die Beschwerden von allein wieder legen. Der Zusatzgewinn an Informationen ist unerheblich und wiegt die Strahlenbelastung nicht auf. Doch auch bei Brust- und Prostatakrebs werden zu viele Aufnahmen gemacht. Im Falle dieser Tumoren seien mehr als 40 Prozent der Bildgebung überflüssig, schreiben Ärzte im Fachmagazin Jama Oncology (online).

Die Mediziner um Danil Makarov von der New York University werteten Daten von 9000 Männern und 30 000 Frauen aus, die an Frühformen der Tumoren litten und gute Prognosen hatten. Gemäß Empfehlungen der Fachvereinigung der amerikanischen Krebsärzte (ASCO) sollen Patienten mit solchen Tumoren in der Brust und in der Prostata, die mit einem geringen Risiko einhergehen, seltener mittels Röntgen, Kernspin und CT untersucht werden. Die Bildgebung beeinflusst keine Therapieentscheidung und trägt nicht zur besseren Prognose und Behandlung bei.

Dennoch hält sich hartnäckig die Praxis, viele Aufnahmen zu machen. 44,4 Prozent der Männer mit Prostata-Tumoren und 41,8 Prozent der Frauen mit Tumoren in der Brust wurden unnötig untersucht. Obwohl die Facharztgruppen wenig miteinander zu tun haben, gibt es in Regionen, in denen zu viele Aufnahmen der Brust gemacht werden, auch zu viele Aufnahmen der Prostata. "Es scheint sich um regional ausgeprägte Usancen zu handeln", sagt Makarov. "Wir müssen solchen Gepflogenheiten auf den Grund gehen, wenn wird die ärztliche Versorgung verbessern wollen." In den USA haben sich mehr als 60 Fachgesellschaften der Choosing-Wisely-Initiative angeschlossen und geben Empfehlungen ab, vor welchen überflüssigen Tests und Therapien Patienten bewahrt und gewarnt werden sollten.