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Rätselhafte Höhenkrankheit:Im Gipfelfieber

Immer mehr Touristen zieht es in die Hochgebirge. Doch die wenigsten wissen, dass es dort schnell lebensgefährlich werden kann, wenn man die Anzeichen einer Höhenkrankheit ignoriert. Und die trifft nicht nur untrainierte Anfänger. Noch immer rätseln die Mediziner, wer für das Leiden besonders anfällig ist.

"Wir fingen nun nach und nach an, alle an großer Übelkeit zu leiden. Der Drang zum Erbrechen war mit etwas Schwindel verbunden und weit lästiger als die Schwierigkeit zu atmen." So beschrieb Alexander von Humboldt seine Expedition auf den rund 6300 Meter hohen Chimborazo im Jahr 1802. Für ihn waren die Symptome der Höhenkrankheit auf dem höchsten Vulkan Ecuadors "nichts Beunruhigendes, da wir aus mehrmaliger früherer Erfahrung damit bekannt waren". Dennoch sah sich die Gruppe durch Kopfschmerzen und Brechreiz, aber auch wegen des dichter werdenden Nebels, etwa 700 Meter unterhalb des Gipfels zur Umkehr gezwungen.

Schöne Aussicht, Höhenkrankheit inklusive: Ärzte suchen Probanden, die auf die 4554 Meter über dem Meer gelegene Margheritahütte aufsteigen. Das höchstgelegene Gebäude Europas in den Walliser Alpen eignet sich bestens, um dort die Symptome nach zu schnellem Aufstieg zu studieren.

(Foto: oh)

Die Faszination erhabener Bergriesen ist auch mehr als 200 Jahre später ungebrochen: Immer mehr Touristen wollen auf den Kilimandscharo oder unternehmen Reisen in die luftigen Höhen der Anden und des Himalayas. Doch im Gegensatz zu Humboldt wissen die wenigsten, wie sie darauf reagieren - und dass es schnell lebensgefährlich werden kann, wenn sie die Zeichen ihres Körpers ignorieren.

Aber sogar diejenigen, die sich vor ihrer Abreise beim Arzt beraten lassen, können nicht mit Sicherheit wissen, ob sie die Höhe vertragen werden. Denn trotz der modernen Medizin gibt es keine Untersuchung, die im Flachland das Risiko zuverlässig vorhersagen kann.

Genau das will Peter Bärtsch, Leiter der Sportmedizin an der Universität Heidelberg ändern. Seit Jahren untersucht der Experte für Höhenmedizin die Ursachen der Höhenkrankheit. Immer wieder ist er dazu mit Probanden auf die Mar-gheritahütte im italienisch-schweizerischen Grenzgebiet gestiegen. Mit 4554 Meter über dem Meer ist sie die höchstgelegene Hütte der Alpen. Viele Probanden entwickeln dort typische Symptome der Bergkrankheit - Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen -, und seltener auch ein Höhenlungen- oder Höhenhirnödem, also eine Wasseransammlung im Gewebe.