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Probleme mit dem Impfstoff:Warum die Grippeimpfung trotzdem lohnt

Ulrike Protzer ist Professorin für Virologie an der Technischen Universität München und Instituts-Direktorin am Helmholtz-Zentrum, dem Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt in München.

(Foto: lkn)

Die Grippewelle ist da und der Impfstoff wirkt schlechter als in anderen Jahren. Die Virologin Ulrike Protzer über die Ursachen - und die Konsequenzen für alle Gefährdeten.

Die Grippeimpfung soll Älteren und Menschen mit chronischen Erkrankungen helfen, sicher durch die kalte Jahreszeit zu kommen. Dieses Jahr passt der Impfstoff aber nicht genau zum häufigsten Erreger. Virologin Ulrike Protzer erklärt, warum.

SZ: Frau Protzer, hat das Virus Sie diesen Winter ausgetrickst?

Ulrike Protzer: Das Influenzavirus verändert sich immer wieder, sonst wäre die Grippe nicht jedes Jahr aufs Neue ein Problem. Aber natürlich ist es ärgerlich, wenn diese Veränderungen auftreten, nachdem der Impfstoff bereits in Produktion ist.

Wonach richten Sie sich, wenn Sie den neuen Impfstoff für die Saison mischen?

Das ist ein weltweit abgestimmter Prozess. Wir wissen, dass die Grippe im Winter kommt, also schauen wir schon im Sommer auf die Südhalbkugel, wo dann Winter ist. Anhand der Erreger, die dort aktiv sind, entwirft man die Vakzine.

Könnten Sie den Impfstoff jetzt noch an den neuen Erreger anpassen?

Leider nicht, das würde zu lange dauern. Wir brauchen etwa zwei bis drei Monate, um den Impfstoff zu entwerfen. Dann ist die Grippewelle für dieses Jahr bereits überstanden.

Heißt das, alle Grippeimpfungen waren dieses Jahr umsonst?

Ganz und gar nicht. Zurzeit sind drei Erregertypen unterwegs. Zwei haben wir richtig eingeschätzt. Wer geimpft ist, kann damit zwar trotzdem noch infiziert werden, die Grippe wird bei ihm aber harmloser ablaufen und schneller überstanden sein.

Wie gelingt es den Viren, sich immer wieder zu verändern?

Kommt ein Virus, zum Beispiel über die Schleimhäute, in den Körper, befällt es die Zellen und vermehrt sich dort. Das Virus können Sie sich wie eine Perlenkette vorstellen. Die Perlen werden jedes Mal neu auf die Kette gezogen. Eine Mutation, also ein Austausch einzelner Perlen, ist dabei nicht ungewöhnlich. Die Perlenkette sieht dann anders aus und wird vom Immunsystem nicht mehr richtig erkannt. Durch Husten und Niesen kommen die neu kombinierten Viren wieder in Umlauf und befallen den Nächsten.

Warum passiert das immer im Winter?

Die Viren vertragen kein Sonnenlicht und trocknen schnell aus, deshalb haben sie im Sommer kaum eine Chance zu überleben. Zudem halten wir uns im Winter eher in geschlossenen Räumen auf. Die Schleimhäute sind dann trockener, das schwächt das Schutzschild des Körpers.

Lohnt sich eine Impfung jetzt noch?

Auf jeden Fall. Den Höhepunkt der Grippewelle haben wir dieses Jahr nämlich noch nicht erreicht.