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Neuer Pflegebericht:Streitthema Freiheitsentzug

Schon im Vorfeld des Berichtes hatte die Deutsche Hospizstiftung den Heimen grobe Missstände vorgeworfen. Der Vorstand der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch, geht davon aus, dass 42 Prozent der Menschen in Pflegeheimen sogenannten "freiheitsentziehenden Maßnahmen" ausgesetzt sind. Dazu gehören Gurte, gegen den Willen der Betroffene hochgezogene Bettgitter oder Psychopharmaka, die allein zu dem Zweck verabreicht werden, den Bewegungsdrang der Heimbewohner zu bremsen.

Die Krankenkassen wiesen diesen Vorwurf zurück: Bei 20 Prozent der Heimbewohner würden freiheitsentziehende Maßnahmen angewandt, bei jedem zehnten von ihnen fehlte die erforderliche Genehmigung.

Daten aus 2009 und 2010

Nach einem vor kurzem erschienenen Bericht des Deutschen Ärzteblattes haben sich diese Genehmigungen innerhalb eines knappen Jahrzehntes fast verdoppelt. Im Jahr 2000 wurden 52.000 Genehmigungen, im Jahr 2009 bereits 97.000 ausgesprochen. Angaben darüber, wie häufig auch ungenehmigter Freiheitsentzug vorkommt, schwanken stark: Verschiedenen Erhebungen zufolge werden fünf bis 70 Prozent aller Heimbewohner Opfer dieser Maßnahmen.

Bezogen auf die ambulanten Pflegedienste offenbarte der Bericht vor allem Mängel bei der Beratung. Nur 40 Prozent der Demenzkranken und ihre Angehörigen wurden von Pflegediensten über die Krankheit und pflegerische Hilfe aufgeklärt. Bei Inkontinenz waren es 42 Prozent, bei der Flüssigkeitsversorgung 50 Prozent, ebenso bei Ernährung und Sturzvorbeugung. Über die Gefahren der Druckgeschwüre erfuhren nur 40 Prozent der Angehörigen etwas vom Pflegedienst.

Die jetzt ausgewerteten Daten stammen aus den Jahren 2009 und 2010. Rund 8100 Heime und 7800 ambulante Pflegedienste wurden untersucht. Das entspricht 79 Prozent der Heime und 60 Prozent der Pflegedienste.

Den kompletten Bericht finden Sie hier.