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Kopfverletzungen im Sport:"Man wird den Schaden nicht mehr los"

Eishockey Germering

Auch kleinere Karambolagen können Schäden nach sich ziehen.

(Foto: Günther Reger)

Fußballer oder Eishockeyspieler stoßen sich pro Saison etwa 500 Mal den Kopf an. Auch wenn viele der Stöße nicht heftig sind, in der Summe scheinen sie viel schädlicher als bisher angenommen.

Von Werner Bartens

Nicht jeder kann sein Berufsleben mit Prügeleien zubringen und hinterher noch Oppositionsführer in der Ukraine werden. Etliche Boxer leiden schon in jungen Jahren unter neurologischen Einschränkungen und erkranken früh an Demenz oder Parkinson. Aber auch in anderen Sportarten wird das Gehirn offenbar stärker beeinträchtigt, als Ärzte bisher annahmen.

Die Schäden, die sich Athleten beim Eishockey, American Football und auch beim Fußball zuziehen, sind nicht zu unterschätzen. Auch wenn es nicht zur Gehirnerschütterung kommt, sind die Folgen von Stößen und anderen Einwirkungen auf die Nervenverbindungen nachweisbar, wie Forscher im Fachblatt Neurology (online) vom heutigen Donnerstag zeigen.

Das Team um den Psychiater Thomas McAllister vom Dartmouth College verglich 80 junge Erwachsene, die Eishockey oder American Football spielten, mit ebenso vielen Athleten, die keine Kontaktsportart betrieben, sondern Leichtathletik oder Skilanglauf. Die Eishockey- und Fußballspieler trugen speziell präparierte Helme, mit denen die Häufigkeit, Intensität und Richtung der Stöße aufgezeichnet wurde.

Nach einer Saison zeigte sich, dass die College-Sportler, die immer wieder Schläge auf den Kopf bekamen oder mit ihren Gegnern zusammengeprallt waren, Veränderungen in der Hirnstruktur aufwiesen. Die als Balken bezeichnete Verbindung zwischen beiden Hirnhälften war aufgelockert; die Nervenverknüpfung in Mandelkern und Hippocampus ebenfalls. Auch in einschlägigen Tests zur Merkfähigkeit und Verbalisierung schnitten die Kontaktsportler nicht so gut ab.

"Wer schlechtere Ergebnisse in den Kognitionstests erzielte, wies auch größere Veränderungen in der weißen Substanz auf", sagt Thomas McAllister. "Es gibt offenbar einen Zusammenhang zwischen der Intensität und Häufigkeit der Stöße und dem Ausmaß der strukturellen Veränderungen im Gehirn."

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