Kokain Schneeweiße Sucht

Koks, Schnee, Coke: Kokain hat viele Namen und birgt viele Risiken. Als Crack geraucht kann die Droge extrem schnell abhängig machen. Aber auch das Schnupfen von Kokain kann Sucht und Störungen des Nervensystems hervorrufen.

Von Katrin Neubauer

Kokain - auch als Koks, Schnee oder Coke bezeichnet - macht euphorisch und kurzfristig leistungsfähiger und belastbarer. Es wird deshalb auch als "Leistungs"- oder "Ego"-Droge" bezeichnet. Prominente putschen sich immer mal wieder mit der vermeintlichen "Glamour"-Droge auf. Doch sie ist längst nicht mehr nur den Reichen und Schönen vorbehalten.

Woraus wird Kokain hergestellt?

Paradoxerweise stammt die Droge, die lange vor allem in der Oberschicht verbreitet war, aus den ärmlichen Dörfern bolivianischer Bauern. Den Ausgangsstoff liefert der immergrüne Kokastrauch, dessen Blätter die Einheimischen bis heute kauen. Allerdings enthält die Pflanze nur etwa ein Prozent des als Kokain bezeichneten Alkoloids. Dieses wird extrahiert und zu Kokainhydrochlorid weiterverarbeitet. Das kristalline Pulver kommt dann mit verschiedenen Streckmitteln versetzt auf den Markt. Sein Wirkstoffgehalt schwankt zwischen 20 und 50 Prozent.

Auch Coca Cola wurde früher aus dem Extrakt der Kokablätter hergestellt. Bis 1903 enthielt ein Liter Coca Cola zirka 250 Milligramm Kokain. 1914 wurde der Kokainzusatz wegen häufiger Todesfälle im Zusammenhang mit dem Getränk verboten.

Was ist Crack?

Kokain wird in der Regel durch die Nase geschnupft, seltener gespritzt. Es kann auch geraucht werden, wird dazu aber speziell aufbereitet. Crack ist eine solche Aufbereitung; die chemische Struktur des Kokains wird durch Beimischung von Natron oder anderen Chemikalien verändert. Durch kleine Pfeifen inhaliert, wirkt Crack extrem schnell, stark und kurz. Nach einigen Minuten ist der Flash abrupt vorbei. Die Konsumenten verspüren ein starkes Verlangen nach mehr und geraten so rasch in die Abhängigkeit.

Crack wird durch kleine Pfeifen geraucht.

(Foto: AFP)

Was passiert im Gehirn?

Kokain beeinflusst wie Speed oder Ecstasy den Stoffwechsel im Gehirn. Es verzögert die Wiederaufnahme der Hirnbotenstoffe Dopamin, Noradrenalin und Serotonin in die Zellen. Das zentrale Nervensystem wird dadurch massiv stimuliert. Kurzzeitige niedrige Dosen erhöhen die Aufmerksamkeit und die motorische Aktivität. Puls, Blutdruck, Körpertemperatur, Atemfrequenz und Atemtiefe nehmen drastisch zu. Beim geschnupften Kokain klingt das Hochgefühl nach 20 bis 60 Minuten wieder ab.

Wie wirkt der Stoff?

Kokain dämpft das Hungergefühl und Schlafbedürfnis. Konsumenten beschreiben ihren Zustand als extrem wach; sie sprechen von gesteigertem Antrieb, klarem Denken und einem erhöhten Selbstwertgefühl. Egoistische und arrogante Gefühle und Verhaltensweisen treten in den Vordergrund. "Ich fühle mich, als würde ich über allen anderen Menschen stehen", schreibt ein Konsument in einem Erfahrungsbericht. Kokain steigert außerdem Lust und Potenz, was sich bei Dauerkonsum allerdings ins Gegenteil umkehrt.

Welche Risiken birgt der Kokainkonsum?

Insbesondere beim Rauchen oder Spritzen stellt sich eine schnelle psychische Abhängigkeit ein. Aber auch episodisches oder kontinuierliches Schnupfen kann süchtig machen. Dauerkonsum führt zu chronischen Störungen des Nervensystems. Es kommt zu Verstimmungen, Schlafstörungen, Depressionen, Angst, Misstrauen, Antriebs- und Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Aggressivität, Verwirrtheit und Impotenz. Vor allem Crack kann längerfristig zu Psychosen mit Wahnvorstellungen führen.

Beim Schnupfen werden Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt. Spritzen bergen die Gefahr von Infektionskrankheiten, wie HIV und Hepatitis.

Beim Entzug leiden die Betroffenen an Müdigkeit, Erschöpfung, Depressionen, mangelnder Energie und sexueller Lustlosigkeit. Dem folgt ein starkes Schlafbedürfnis, der so genannte Crash. Die Symptome können wochenlang andauern und noch lange Zeit danach ist das Verlangen nach der Droge groß.

(Quellen: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Fachverband Sucht e.V.)