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Medizin:Bericht zur Heidelberger Bluttest-Affäre bleibt unter Verschluss

Medical technician preparing a human blood sample for clinical testing model released Symbolfoto property released PUBL

Im Februar wurde der angebliche Bluttest auf Brustkrebs mit großem Wirbel vorgestellt.

(Foto: imago images/Westend61)
  • Im Skandal um den unreifen Bluttest an der Uniklinik Heidelberg lässt der Chef der Frauenklinik im letzten Moment untersagen, dass sein Name genannt wird.
  • Damit kann ein Untersuchungsbericht zu dem Fall zunächst nicht wie geplant erscheinen.
  • Im Februar war ein Bluttest zur Früherkennung von Tumoren als "Weltsensation" gefeiert worden. Doch es wurde rasch klar, dass der Test von einer Marktreife weit entfernt ist.
  • Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insiderhandel.

Im Wilden Westen hätte es das nicht gegeben: Alles läuft auf ein Duell der Kontrahenten hinaus, High Noon rückt näher. Kurz vor dem Showdown macht der Hauptbeteiligte jedoch einen Rückzieher, bringt sich aus der Schusslinie und lässt mitteilen, ich mache gar nicht mit. Heidelberg liegt zwar nur im Westen Baden-Württembergs, aber was sich am Klinikum der berühmten Universität seit Frühjahr abspielt, würde genug Stoff für einen Western hergeben. Bereits jetzt sind etliche Opfer zu beklagen, die Rollen Gut und Böse klar verteilt - und nun hat sich zum bisherigen dramaturgischen Höhepunkt der vermeintliche Schurke auf den letzten Drücker dem Urteil entzogen.

Eigentlich hätte es Dienstag, 11.30 Uhr, spannend werden können, denn der Aufsichtsrat des Uniklinikums Heidelberg hatte eine Pressekonferenz zum "Bluttest auf Brustkrebs" der Firma HeiScreen angekündigt, mitentwickelt vom Chef der Gynäkologischen Uniklinik, Christof Sohn. Im Februar war die Untersuchung als "Weltsensation aus Deutschland" angekündigt worden, als Möglichkeit, bösartige Tumore schon im Frühstadium anhand von Markern im Blut ausfindig zu machen. Der Test wies allerdings leicht erkennbar so viele Schwächen auf, dass eine baldige Marktreife fern schien. Dienstag sollte nun sowohl der Abschlussbericht einer externen Untersuchungskommission als auch der Bericht der uniinternen Senatskommission vorgestellt werden. Immerhin hatte im Laufe des Skandals die halbe Führungsspitze des Klinikums gehen müssen - die Uni Heidelberg musste um ihren Ruf als Exzellenzuniversität bangen.

Aus der Aufklärung in Sachen "Bluttest/HeiScreen" wurde nichts. Am späten Montagabend wies das Klinikum auf eine "mögliche Absage" der Pressekonferenz für den nächsten Tag hin. Beim Verwaltungsgericht Karlsruhe sei ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung eingegangen. Damit solle erreicht werden, dass in der Pressekonferenz "keinerlei Aussagen über einen der Beteiligten getätigt" werden dürfen. Damit, so die Pressestelle des Klinikums, sei "eine aussagekräftige Vorstellung des Berichts nicht möglich".

Der Umgang des Klinikums mit der Affäre war ähnlich unausgegoren wie der Test selbst

Nachdem das Gericht dem Antrag Dienstagmorgen stattgegeben hatte, wurde die Pressekonferenz kurzfristig abgesagt. Das Klinikum verriet nun auch, dass mit "einem der Beteiligten" wenig überraschend Christof Sohn gemeint war, jener Chef der Unifrauenklinik, der sich mit verschränkten Armen in entschlossener Pose für die Bild ablichten ließ, als dort im Frühjahr der Lobgesang auf den Test erschienen war.

Statt zum Auftakt einer gelungenen PR-Kampagne zu werden, entwickelte sich die Ankündigung des Bluttests zum Desaster, weltweite Lachnummer statt Weltsensation. Experten bemängelten sofort, dass der Test nicht ausgereift und die Trefferquote nicht hoch genug war. Schnell wurde klar, dass HeiScreen, eine Ausgründung der Universität, und die beteiligten Ärzte der Frauenklinik keinen zuverlässigen Test auf Brustkrebs entwickelt hatten, allenfalls eine überteuerte Blutentnahme.

In der Folge wurden Schuldige gesucht, die akademische Welt zeigte ihr hässliches Gesicht; hinzu kamen pikante Details über zweifelhafte Berater, die mit der verfrühten Veröffentlichung des Tests in Verbindung gebracht wurden. Der Landtag kritisierte die Uniklinik und den Aufsichtsrat, dann ermittelte die Staatsanwaltschaft unter dem Verdacht des Insiderhandels. Über allem stand die Frage, wer es zulassen konnte, dass ein dermaßen unfertiges Produkt so unkritisch im Namen der Universität angepriesen wurde. Bald mussten der Justiziar des Klinikums und der Dekan der Medizinfakultät ihre Ämter aufgeben. Kurz darauf kündigten die Vorstandsvorsitzende des Klinikums sowie die kaufmännische Direktorin an, ihre Ämter niederzulegen. Weil so viele Posten vakant geworden waren, suchte eine Personalberatungsfirma Kandidaten.

"Ich habe größtes Interesse, so viel Transparenz wie möglich herzustellen", sagte die Aufsichtsratsvorsitzende Simone Schwanitz am Montag, als sie noch hoffte, dass die Pressekonferenz wie geplant stattfinden könnte. Dazu passt die Reaktion des Klinikums nach der enttäuschenden Absage. "Aktuell wird erst mal die juristische Seite geprüft", sagt eine Sprecherin. "Unser Ziel wäre es nachgelagert dennoch, den Kommissionsbericht der Öffentlichkeit vorzustellen."

"Den klügsten Köpfen aus aller Welt ein spannendes Wirkungsfeld bieten" - mit dieser Ansage ist der neue Dekan der Medizinfakultät Heidelberg angetreten. Spannend ist es am Klinikum allemal. Und kluge Köpfe hat die in ihrem Stolz verletzte Fakultät nach dem verheerenden Krisenmanagement unbedingt nötig. Es reicht nicht, darauf zu vertrauen, dass - wie im Western - am Ende schon alles gut wird.

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