Funktion des Schlafes:Das Geheimnis der Gliazellen

Eine entscheidende Rolle spielen hierbei die Gliazellen, welche im Gehirn etwa so zahlreich sind wie Nervenzellen und lange Zeit lediglich als Stützmaterial der Neuronen angesehen wurden. Erst im vergangenen Jahr hatte Nedergaards Arbeitsgruppe entdeckt, dass Gliazellen das hirneigene Abwassersystem steuern, indem sie schrumpfen und anschwellen. Dadurch entstehen größere und kleinere Kanäle zwischen den Nervenzellen.

Die Kontrolle der Gliazellen übernimmt offenbar der Botenstoff Noradrenalin. Nachdem die Wissenschaftler dieses Molekül im Körper wacher Mäuse blockierten, wurden die Nager ohnmächtig und der Waschmaschinen-Effekt im Gehirn setzte ein.

Anders als der Rest des Körpers verfügt das Hirn nicht über ein reinigendes Lymphsystem. Dort wie im Rückenmark übernimmt die Gehirnflüssigkeit die Rolle eines Spülmittels. Die Forscher färbten diesen Liquor cerebrospinalis ein und beobachteten zunächst, dass das Gehirn im Schlaf deutlich stärker durchgespült wird. Zugleich maßen sie mit Elektroden die Abstände zwischen Nervenzellen und stellten fest, dass diese im Schlaf - und übrigens auch unter Narkose - bis zu 60 Prozent größere Lücken schufen.

Interessant ist, dass Menschen über viel mehr Gliazellen verfügen als Tiere. Dabei geht es offenbar nicht nur darum, das sensible und aufwendige Nervenkostüm des Menschen zu stützen, sondern auch nachts allerlei Müll aus dem Kopf zu beseitigen.

© SZ vom 19.10.2013
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