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Essverhalten:Sechs Faktoren für eine gesunde Familienmahlzeit

FAMILIENLEBEN IN DEUTSCHLAND

Wer gemeinsam isst, lebt gesünder. Die Gründe dafür dürften vielschichtig sein.

(Foto: DPA)
  • Kinder aus Familien mit gemeinsamen Mahlzeiten leben tendenziell gesünder.
  • Um herauszufinden, woran das liegen könnte, haben Forscher 50 Studien mit mehr 29 000 Probanden unter die Lupe genommen.
  • Sie fanden sechs Aspekte, die die Gesundheit begünstigen.

Gemeinsame Mahlzeiten gelten als symbolhaft für ein gutes Miteinander - insbesondere in Familien. Man kommt zusammen, hat Zeit zum Reden, nimmt eine gemeinsame Auszeit vom Alltag und ernährt sich idealerweise gesund. So ist bekannt, dass Kinder, deren Familien gemeinsam essen, seltener übergewichtig sind. Doch wovon genau hängt es ab, ob gemeinsame Mahlzeiten positiv auf die Gesundheit wirken?

Um das herauszufinden, haben Psychologen vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der Universität Mannheim 50 Studien mit insgesamt mehr als 29 000 Probanden ausgewertet. Wie sie nun in der Fachzeitschrift Health Psychology berichten, sind sechs Faktoren für den positiven Effekt gemeinsamer Mahlzeiten ausschlaggebend: Sich Zeit lassen, eine positive Atmosphäre bei Tisch schaffen, Eltern, die gesundes Essen vorleben, qualitativ hochwertige Kost, ein ausgeschalteter Fernseher und eine gemeinsame Vorbereitung tragen demnach am meisten zur gesunden Entwicklung von Kindern bei.

Ist das gemeinsame Essen tatsächlich ursächlich für ein gesünderes Gewicht?

Konkret hatten die unter diesen Bedingungen aufwachsenden Kinder einen geringeren Body-Mass-Index (BMI). Dieser ist ein Maß für das Verhältnis zwischen Körpergröße und Gewicht und definiert damit, wann ein Mensch übergewichtig ist. In der Studie war das bei Kindern aus Familien mit gemeinsamen Mahlzeiten seltener der Fall, unabhängig davon, wie alt sie waren und wie der sozio-ökonomische Hintergrund der Familie aussah.

Den stärksten Zusammenhang fanden Forscher hierbei in einem gemächlichen Esstempo, gefolgt von der Atmosphäre bei der Mahlzeit, dem Vorleben von gesundem Essen und der Essensqualität. Etwas kleinere Zusammenhänge bestanden noch mit dem ausgeschalteten Fernseher und dem Helfen bei der Vorbereitung, wobei die Korrelationen insgesamt überschaubar waren.

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Ob die sechs Faktoren ursächlich zum geringeren Gewicht der Kinder beitragen, können die Forscher allerdings nicht sagen - dafür hätte man das Essverhalten in den Familien experimentell beeinflussen müssen. Ein Kausalzusammenhang erscheint aber in vielen Fällen plausibel: Zum einen könnten emotional ausgeglichene Kinder seltener zu emotionalem Frustessen neigen. Zum anderen dürften Kinder ihr Sättigungsgefühl eher wahrnehmen, wenn sie nicht auf einen Bildschirm starren.

Wie die Forscher schreiben, sei der Familienzusammenhalt der Dreh- und Angelpunkt für die gesundheitliche Entwicklung der Kinder. "Das gemeinsame Essen gehört zu den stärksten Tagesritualen", sagt der Psychologe Joachim Lask. Solche Rituale gäben Orientierung und Halt, schützten vor Gefahren und förderten auch die Gesundheit.

Wie wichtig gemeinsame Mahlzeiten sind, zeige sich gerade dann, wenn sich solche Rituale durch Krankheit oder zusätzliche Belastungen auflösen: "Dann steigt der Stresslevel in der Familie insgesamt", so Lask. Der Psychologe sieht ebenfalls einen kausalen Zusammenhang zwischen einem gemeinsamen Essen und einem gesünderen Gewicht: "Wer alleine in der Küche, im Auto oder in seinem Zimmer isst, macht dies häufig eher impulsiv und weniger bewusst." Gegenseitige Korrekturen, wie und was gegessen wird, blieben aus, wichtige Informationen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung gingen verloren.

Das regelmäßige gemeinsame Essen als Familienveranstaltung hingegen helfe, "achtsamer auf die Signale seines Körpers zu reagieren" - gerade weil dieses länger dauert, sagt Lask. "Freude und Leid kann geteilt werden. Familienmitglieder trainieren hier gegenseitige Wertschätzung, Mitgefühl und Eigenständigkeit."

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