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Ernährung:Kokolores ums Kokosöl

Coconut oil

Die Kokosnuss und ihr Öl sind weder giftig noch besonders gesund.

(Foto: Moment/Getty Images)
  • Kokosöl wird bei der Zubereitung von Speisen immer populärer. Manche schreiben dem Öl heilsame Eigenschaften zu oder versuchen damit abzunehmen.
  • Doch diese Effekte sind bislang nicht belegt. Weder ist eine leistungssteigernde Wirkung nachgewiesen noch eine Funktion als Schlankmacher.
  • Allgemein sollte man sparsam mit gesättigten Fettsäuren sein, aus denen Kokosöl zu einem großen Teil besteht. In Maßen verzehrt ist Kokosöl aber sicher nicht giftig.

Früher hielt es als Palmin die Süßspeise "Kalter Hund" zusammen und galt als ungesund und sündig. Heute ist Kokosöl gerade für Menschen, die besonders auf ihre Ernährung achten, eine Art Wundermittel. Es soll vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewahren, beim Abnehmen helfen, die sportliche Leistung erhöhen und sogar die Symptome von Alzheimer und Aids abmildern. Viele Veganer verwenden Kokosöl statt Butter oder Sahne und nutzen es zum Anbraten.

Mitten in diesen Hype hinein hat die Freiburger Wissenschaftlerin Karin Michels Kokosöl kürzlich als "das reine Gift" etwa für das Herz, bezeichnet. Das Youtube-Video mit ihrem Vortrag wurde hunderttausendmal angeklickt und heftig diskutiert. Mittlerweile hat sich die Wissenschaftlerin zwar für ihre "unglückliche Wortwahl" entschuldigt, gleichzeitig aber in einem Statement auf der Uni-Webseite noch einmal ausführlicher erklärt, warum sie Kokosöl nach wie vor für ungesund hält.

Manche sind davon überzeugt, dass Kokosfett schlank macht

Tatsächlich besteht Kokosöl überwiegend, zu rund 90 Prozent, aus gesättigten Fettsäuren, die auch nach Meinung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr ausmachen sollten. Gesättigte Fette, die vor allem in tierischen Lebensmitteln wie Speck und Butter vorkommen, erhöhen nämlich Cholesterinwerte und stehen damit im Verdacht, ein Risiko für Herzkrankheiten zu sein. Das gilt auch für Kokosöl, wie eine Übersichtsstudie aus dem Jahr 2016 gezeigt hat. Demnach hatten alle Probanden, die Kokosöl verzehrt hatten, höhere LDL-Werte als Studienteilnehmer, die beispielsweise Sonnenblumenöl gegessen hatten.

"Es gibt zuverlässige Hinweise aus Studien am Menschen, dass ein hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren wirklich gesundheitsschädlich für das Herz ist", sagt Stefan Lorkowski, Ernährungswissenschaftler an der Universität Jena und Vizepräsident der DGE. Wissenschaftlich gesichert ist, dass der Austausch von gesättigten Fetten, wie sie auch in Kokosöl enthalten sind, durch ungesättigte Fettsäuren etwa in Oliven-, Walnuss-, Lein- oder Rapsöl das Risiko für Herzkrankheiten senkt.

Aus gesundheitlicher Sicht positiv zu bewerten ist dagegen, dass Kokosöl manchmal in Fertigprodukten eingesetzt wird, um teilgehärtete Fette zu ersetzen und damit den Gehalt an Transfettsäuren zu senken. Denn Transfettsäuren sind bewiesenermaßen schädlich für die Arterien. "Der Ersatz von teilgehärteten Fetten ist eine gute Sache", meint darum Eric Rimm, Epidemiologe an der Harvard School of Public Health. "Wenn es um kleine Mengen geht." Wie immer macht also die Dosis das Gift. Unabhängig von den gesättigten Fettsäuren enthält natives Kokosöl aber tatsächlich auch gesunde Begleitstoffe wie Vitamin E und sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole.

Beim Braten mit Kokosöl sollte man vorsichtig sein: Natives Öl ist laut Stiftung Warentest nur zum Erhitzen bei niedrigen Temperaturen geeignet. In Maßen verwendet ist Kokosöl aber bestimmt nicht giftig. "Der Mensch hat eine sehr hohe metabolische Flexibilität, sonst wäre er längst ausgestorben", sagt Lorkowski. Es gebe aber auch keinen triftigen Grund, Kokosöl in größeren Mengen zu verzehren.