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Ernährung:Europas dicke Kinder

Abspecken für stark übergewichtige Jugendliche

Zu viel Essen, zu wenig Sport: Das gilt für viele Kinder in Europa.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Eine große Studie zur Kindergesundheit in Europa zeigt, wie Krankheitsrisiken und Lebenserwartung vom Einkommen und der Ausbildung abhängen.
  • Während im sozial benachteiligten Süditalien etwa 40 Prozent der Kinder unter zehn Jahren übergewichtig oder fettleibig sind, sind es in Belgien unter zehn Prozent.
  • Neben der Familie und dem sozialen Umfeld spielt auch der Medienkonsum eine Rolle für das Wohlergehen der Kinder.

Vielen Kindern in Europa geht es nicht gut. Sorgen drücken sie, sie ernähren sich nicht gut und sie bewegen sich zu wenig. Sogar in einem reichen Land wie Deutschland sind mehr als zwei Millionen Kinder einem "erhöhten Armutsrisiko" ausgesetzt, weil sie in Haushalten leben, denen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung stehen. Immerhin jedes siebte Kind lebt von Hartz IV. Für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden hat das massive Folgen.

Wie sehr Krankheitsrisiken und Lebenserwartung vom Einkommen und der Ausbildung abhängen, zeigt eine der bisher größten Studien zur Kindergesundheit in Europa. Mehr als 16 000 Kinder im Alter zwischen zwei und zehn Jahren aus acht Ländern nahmen seit 2007 daran teil. Der Großteil von ihnen wurde weiter beobachtet, bis sie zwischen neun und 17 Jahre alt waren. Auf diese Weise konnte der Einfluss der Familie und des sozialen Umfelds genauer analysiert werden.

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Die Unterschiede sind enorm. Während im sozial benachteiligten Süditalien etwa 40 Prozent der Kinder unter zehn Jahren übergewichtig oder gar fettleibig sind, beträgt der Anteil im vergleichsweise wohlhabenden Belgien weniger als zehn Prozent. Mädchen sind häufiger dick als Jungen. In allen Ländern zeigt sich zusätzlich ein Gewichtsunterschied, der abhängig von der sozialen Klasse ist. Während in Deutschland etwa 14 Prozent der Kinder in der höchsten Einkommens- und Bildungsschicht als übergewichtig gelten, beträgt der Anteil der dicken Kinder in den weniger wohlhabenden Schichten ungefähr 25 Prozent.

"Kinder aus benachteiligten Familien brauchen mehr Unterstützung und Extraanstrengungen durch die Politik, denn sie schneiden in vielen gesundheitlichen Aspekten schlechter ab", sagt Wolfgang Ahrens vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, das entscheidend an der Studie beteiligt war. "Den Betroffenen und ihren Familien allein gelingt es nicht, die Kindergesundheit zu verbessern und beispielsweise das Übergewicht anzugehen."

Medienkonsum hat einen Einfluss auf das Gewicht

Europaweit lässt sich feststellen, dass Kinder zu energiereiche Nahrung zu sich nehmen, das heißt zu süß und zu fett essen und zu oft zu Convenience-Produkten greifen, wie Fertiggerichte, Fastfood und andere stark verarbeitete Gerichte beschönigend heißen. Aber auch hier zeigen sich die sozialen Unterschiede: Wer weniger verdient und schlechter ausgebildet ist, greift eher zu Pommes, Burgern, Fertigpizza, Dosennahrung und anderen kalorienreichen Lebensmitteln.

Die ungesunde Lebensführung lässt sich nicht nur am Gewicht der Kinder ablesen. Sind Kinder und Jugendliche dicker, schlafen sie auch oft zu wenig, was sich wiederum negativ auf ihre Gesundheit auswirkt. Zudem fehlt es an Bewegung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt pro Tag ein Minimum von einer Stunde Sport oder vergleichbarer körperlicher Aktivität für Kinder, damit sie gesund und psychisch stabil bleiben. Während immerhin 34 Prozent der - offenbar vorbildlichen belgischen Jungs - auf diese Dosis kommen, sind es in Zypern gerade mal zwei Prozent.

Auch der Medienkonsum spielt eine Rolle für das Wohlergehen der Kinder

Gerade im Vorschul- und Grundschulalter sind Spiel- und Bolzplätze in erreichbarer Nähe wichtig, damit Kinder sich austoben können. "Guter Zugang zu solchen öffentlichen Plätzen und im Jugendalter zu Spazier- und Radwegen führt dazu, dass Kinder körperlich aktiver sind", sagt Wolfgang Ahrens. "Stadtplaner und Politiker können die Gesundheit von Kindern beeinflussen, wenn sie ihnen bessere Möglichkeiten bieten, sich in ihrer direkten Umgebung zu bewegen."

Neben der Familie und dem sozialen Umfeld spielt auch der Medienkonsum eine Rolle für das Wohlergehen der Kinder. So zeigt die Studie klar, dass Kinder mehr Softdrinks, Fastfood und Fertigprodukte zu sich nehmen, wenn sie zuvor entsprechende Werbung im Fernsehen gesehen haben. Entsprechend häufiger sind sie übergewichtig. Schauen sie gar während der Mahlzeiten fern oder haben einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer, ist das Risiko besonders groß, dass sie übergewichtig werden und sich nicht wohlfühlen.

Der Einfluss des sozialen Umfelds ist nicht zu unterschätzen - im guten wie im schlechten. Kinder orientieren sich sowohl mit ihrem Gewicht an Freunden und Familie als auch mit dem Ausmaß an körperlicher Aktivität. Das lässt immerhin hoffen: Sind die Freunde im Sportverein oder sonst ständig auf den Beinen, färbt das gute Vorbild höchstwahrscheinlich ab.

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