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Drogenbericht der UN:Siegeszug der Designerdrogen

Die Päckchen sehen harmlos aus, enthalten aber Rauschgift.

(Foto: AFP)

Drogenproduzenten werden immer einfallsreicher: Fast wöchentlich kommen neue berauschende Substanzen auf den Markt. Die Zahl der Anbieter, die die Stoffe über das Internet vertreiben, wächst rasant, wie der neue UN-Drogenbericht beklagt.

Sie kommen in bunten Päckchen daher, sind vielerorts nicht verboten und häufig mit den Standard-Drogentests nicht nachweisbar. Ihr Name drückt die ganze Problematik bereits aus: legal highs. Diese Designerdrogen verbreiten sich mit einer Geschwindigkeit, die die Kontrollbehörden abhängt. Denn es reichen schon winzige Veränderungen der molekularen Struktur einer Droge, um eine neue Substanz zu erschaffen, die zunächst noch nicht untersucht, eingeschätzt und verboten ist.

Die genaue Zahl aller neuen psychoaktiven Substanzen ist nicht bekannt. Sicher sind sich Experten aber, dass sie zunimmt. Wurden zwischen 2000 und 2005 durchschnittlich fünf neue Designerdrogen pro Jahr entdeckt, waren es 2011 schon 49, wie aus dem Jahresbericht des Drogen-Überwachungsrates der Vereinten Nationen (UN) hervorgeht. In den vergangenen Jahren gab es einen beispiellosen Anstieg beim Missbrauch neuer psychoaktiver Substanzen, stellt die Organisation fest. Wie sich diese neuen Drogen gesundheitlich auswirken, ist noch nicht abzuschätzen.

Die Drogen werden zumeist über das Internet vertrieben - unter Namen wie "Badesalz" oder "Herbal Highs". Die Zahl der entsprechenden Websites vervierfachte sich innerhalb von nur zwei Jahren: Anfang 2012 waren bereits 690 solcher Seiten online. Produziert würden die Substanzen in Ländern, in denen die Strafverfolgung eher lax sei, konsumiert würden sie weltweit. "Das Drogenproblem ist ein echtes globales Problem, das nach einer globalen Lösung verlangt", sagte der Präsident des Drogen-Kontrollrates, Raymond Yans.

Für die Suchtbekämpfung stellen diese Drogen alles auf den Kopf, was bisher galt. Der Rat: "Nimm nichts Verbotenes ein!", greift bei ihnen nicht mehr. Dabei zeigen Erhebungen, dass Jugendliche durchaus zurückschrecken, wenn eine Substanz illegal ist, wie Yuri Fedotov, Leiter des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, in einem Gastbeitrag für Süddeutsche.de schreibt.

Zugleich beklagt der UN-Bericht einen zunehmenden Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente. Vor allem in Nordamerika sowie in Süd- und Südostasien, aber auch in einigen europäischen Ländern und Südamerika mache sich der Trend bemerkbar. Immer öfter würden legal erworbene Pillen abgezweigt und danach illegal vertrieben, warnte die Kontrollbehörde. In einigen südamerikanischen Ländern nehmen bereits sechs Prozent der Schüler Beruhigungsmittel.

Besonders auffällig sei auch der Missbrauch von stimulierenden Substanzen, die eigentlich zur Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADS) gedacht sind. Die Medikamente würden häufig gespritzt, um die Wirkung zu steigern. Damit erhöhe sich für die Konsumenten aber auch die Gefahr, sich mit HIV oder Hepatitis anzustecken.

Weltweit größter illegaler Drogenmarkt bleiben weiterhin die USA. Etwa einer von 20 Todesfällen in Nordamerika in der Altersgruppe zwischen 15 und 64 Jahren wird den UN zufolge mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht. In Europa habe sich der Missbrauch in den vergangenen Jahren auf hohem Niveau stabilisiert.

Der Internationale Suchtstoff-Kontrollrat (INCB), so der offizielle Name, ist das unabhängige Gremium für die Umsetzung der Drogenkontrollabkommen der Vereinten Nationen.

© Süddeutsche.de/dpa/beu/jobr
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