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Coronavirus:Bin ich immun?

Blutuntersuchung im Landesgesundheitsamt

Im Labor wird das Blut von Corona-Infizierten auf Antikörper untersucht. Doch diese Nachweise zur Immunität haben ihre Tücken.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Antikörper im Blut gelten als sicherer Nachweis einer durchgemachten Corona-Infektion. Doch laut neuester Studien sind sie manchmal schon nach wenigen Wochen nicht mehr messbar.

Von Christina Kunkel

Solange es keinen Impfstoff gibt, scheint es die einzige Möglichkeit zu sein, einigermaßen angstfrei auf die Corona-Pandemie zu blicken: Das Wissen, dass man selbst die Infektion mit Sars-CoV-2 bereits hinter sich hat und damit wohl für eine gewisse Zeit immun ist gegen dieses Virus. Zumindest gingen Wissenschaftler bislang davon aus, dass Menschen nach einer durchgemachten Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nicht direkt wieder angesteckt werden können - und somit das Virus auch nicht unbemerkt erneut weiterverbreiten. Zwischenzeitliche Meldungen aus Südkorea, dass sich Genesene reinfizierten, stellten sich im Nachhinein als falsch heraus.

Als Nachweis für eine Immunität gelten bisher vor allem bestimmte Antikörper im Blut, die sich in der Regel nach einer Sars-CoV-2-Infektion ausbilden. Allerdings kann es mehrere Wochen dauern, bis diese Antikörper in nachweisbarer Menge vorhanden sind, weshalb im frühen Stadium nach der Genesung eines Patienten manchmal gar keine Antikörper gefunden werden, ein oder zwei Wochen später aber sehr wohl. Allerdings gibt es offenbar auch Menschen, die trotz einer zuvor bestätigten Corona-Infektion auch nach Wochen keine signifikante Zahl bestimmter Antikörper gebildet haben, wie eine Studie der Uni Lübeck zuletzt zeigte.

Die Forscher hatten den Antikörperspiegel im Blut der Teilnehmer im Abstand von mehreren Wochen gemessen, was ein differenziertes Bild zeichnet als einmalige, großflächige Screenings. Bei letzteren geht es oft eher darum, eine Dunkelziffer von Infizierten zu schätzen oder Unterschiede zwischen einzelnen Altersgruppen aufzuzeigen wie zum Beispiel bei der Studie der Uni Heidelberg, die herausfinden wollte, ob Kinder sich häufiger anstecken als Erwachsene. Dafür können auch breit angelegte Studien mit einmaligen Tests Hinweise liefern, weil einzelne nicht erkannte Infizierte das Gesamtergebnis nicht groß verzerren. Aktuell laufen zudem auch in Deutschland mehrere Untersuchungen, bei denen Menschen über Monate hinweg immer wieder auf Antikörper getestet werden, wie zum Beispiel an der LMU München.

Doch Wissenschaftler beschäftigt auch eine andere Frage: Wie hält dieser körpereigene Schutz an? Womöglich nicht sehr lange, sagt eine neue Studie chinesischer Wissenschaftler, die im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht wurde. Das könnte besonders für Menschen gelten, die während der Infektion keinerlei Symptome entwickelt haben. Die Forscher verglichen 37 Corona-Infizierte ohne Symptome in der chinesischen Region Wanzhou mit der gleichen Anzahl Menschen, die Symptome zeigten. Sie fanden heraus, dass das Immunsystem asymptomatischer Personen weniger stark auf das Virus reagiert hatte als das von Menschen mit Symptomen.

Ein sogenannter "Immunitätspass" ergibt keinen Sinn

Nach drei Monaten war der Antikörperspiegel bei 40 Prozent der asymptomatischen Menschen auf ein nicht mehr nachweisbares Level gesunken, verglichen mit nur 13 Prozent bei den symptomatischen Personen. Diese Werte machen zunächst einmal deutlich, dass die Idee, eine Art "Immunitätspass" einzuführen, wie es zwischenzeitlich auch in Deutschland im Gespräch war, keinen Sinn ergibt. Denn der Nachweis einer solchen Immunität wäre vermutlich über diese Antikörper im Blut erfolgt.

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Doch heißt das automatisch, dass Menschen ohne nachweisbare Antikörper nicht immun sind? Nicht unbedingt. Studien, die sich nur auf bestimmte Antikörper fokussieren, berücksichtigen oft nicht, dass es daneben auch Immunzellen im Körper von Genesenen gibt, die das Virus selbst bekämpfen oder wieder Antikörper bilden, wenn es erneut eindringt. Auch gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse, wie hoch der Antikörperspiegel sein muss, um vor einer erneuten Ansteckung zu schützen.

In der Studie aus China, die insgesamt 178 Corona-Infizierte umfasste, zeigten zwanzig Prozent der Untersuchten keine Symptome. Dennoch hatte etwa ein Drittel von ihnen die für Covid-19 charakteristischen "Lungen-Schatten" und weitere Anomalien bestimmter Zellen. Die Studie fand zudem heraus, dass auch symptomfreie Menschen Viren ausschieden, und dies sogar länger als diejenigen, die Symptome hatten. Das könnte ein weiterer Hinweis darauf sein, dass auch Menschen ohne Symptome in der Lage sind, andere anzustecken.

© SZ/hmw
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