Anti-Tabak-Kampagne in Großbritannien:Wer raucht, verfault

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Anti-Tabak-Kampagne

Dies ist nur eine harmlose Infografik der Gesundheitsbehörden. Die Schockfotos der diesjährigen Kampagne zeigen verfaulendes Fleisch.

(Foto: Public Health England)

Ekel inklusive: Die gräßlichen Bilder, die britischen Rauchern dieser Tage vorgesetzt werden, übertreffen andere Schockfotos bei weitem. Viele Briten fühlen sich von der Anti-Tabak-Kampagne belästigt.

Von Christian Zaschke

Seit Anfang der Woche laufen in England wieder diese gruseligen Spots im Fernsehen: Graugesichtige Menschen rauchen Zigaretten, aus denen mutiertes Fleisch quillt, es sieht aus wie in einem veritablen Horrorfilm. Raucher, die einen dieser Spots gesehen haben, brauchen danach erst einmal eine Zigarette. Oder, so das Kalkül von Public Health England (PHE), einer Abteilung des Gesundheitsministeriums: Sie rauchen eine Weile nicht mehr und denken grundsätzlich über den Konsum von Tabak nach.

Bereits zum dritten Mal startet PHE zum Ende des Jahres eine solch drastische Kampagne. Neben den Spots gibt es großflächige Plakate, auf denen etwa Zigaretten zu sehen sind, die aus verfaultem Gewebe bestehen. Die erste Kampagne wies besonders auf das Krebsrisiko hin. Die zweite warnte vor dem Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen. In diesem Jahr ist die Kernbotschaft der Kampagne: Rauchen lässt den Körper von innen verfaulen.

Sally Davies, Chief Medical Officer von PHE, sagt, die Kampagne sei bewusst darauf angelegt zu schockieren. "Wir haben die ersten beiden Kampagnen bewertet und herausgefunden, dass sie dazu führen, dass weniger Menschen rauchen." Derzeit rauchen 18,4 Prozent der Engländer, so wenige wie noch nie seit Beginn der Erhebungen. PHE lässt die Kampagnen jeweils am Ende des Jahres anlaufen, weil sich bekanntlich viele Menschen gute Vorsätze für das neue Jahr machen. Mit den Schockbildern sollen sie zusätzlich motiviert werden.

Dass das Ende des Jahres die Zeit der guten Vorsätze ist, nutzen auch andere Organisationen, wenn auch weniger drastisch. Der "Dry January", der trockene Januar, ist mittlerweile eine Institution. Dabei geht es darum, im ersten Monat des Jahres keinen Alkohol zu trinken. Ins Leben gerufen hat ihn die Stiftung "Alcohol Concern", die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Trinkgewohnheiten auf der Insel zu ändern. Sie geht die Sache positiv an und wirbt damit, dass man besser schlafe, Gewicht verliere und sich besser fühle. Man kann sich auf der Website der Stiftung registrieren und erhält dann täglich im Januar aufmunternde Botschaften. Zudem gibt es Rezepte für "Mocktails" - Cocktails ohne Alkohol.

Sowohl die jährlich wiederkehrenden Schockkampagnen gegen Tabak-Konsum als auch der "Dry January" sind umstritten. Viele Engländer fühlen sich von den ekelhaften Bildern belästigt. Wenig überraschend ist auch die Tabakindustrie nicht begeistert. Ein Sprecher einer Lobbygruppe sagte, die Anti-Rauch-Werbung sei "eine Verschwendung von öffentlichem Geld". Erziehung sei durch Angstmache ersetzt worden, was sich kontraproduktiv auswirke.

Vom trockenen Januar sind viele Ärzte und vor allem der British Liver Trust nicht überzeugt. Sie glauben, dass viele Engländer nach dem alkoholfreien Monat das Gefühl haben, im Rest des Jahres befreit lostrinken zu dürfen - ein Eindruck, der bei Pub-Besuchen zwischen Februar und Dezember nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Statt den ganzen Januar trocken zu bleiben, so die Empfehlung, sollten die Engländer lieber ganzjährig an zwei bis drei Tagen der Woche nichts trinken.

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