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Zoff ums Geld:Commerzbank geht Bonus-Kläger hart an

Die Frankfurter Commerzbank sieht den Londoner Gerichtsprozess eines Investmentbankers als Verstoß gegen die Unternehmenstreue.

M. Zydra

Im Rechtsstreit um die Bonuszahlungen früherer Investmentbanker der Dresdner Kleinwort spricht die beklagte Commerzbank einem ehemaligen Investmentbanker das Recht ab, seinen Prozess vor dem Londoner High Court überhaupt zu führen.

Commerzbank, Getty

Die Anwälte der Commerzbank argumentieren, der klagende Investmentbanker verletze mit dem Pochen auf die Bonuszahlung die Interessen der Commerzbank, der Aktionäre und des deutschen Steuerzahlers.

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"Aufgrund seiner Führungsposition bei der Dresdner Kleinwort musste der Kläger darauf verzichten, seine Rechte einzufordern", heißt es in der Klageerwiderung der Commerzbank, die der SZ vorliegt.

Der Mann war Mitglied im Executive Committee der Dresdner Kleinwort und macht geltend, er habe hohen Gewinn erwirtschaftet und den Bonus verdient. Die Anwälte der Commerzbank argumentieren, er verletze mit dem Pochen auf die Bonuszahlung die Interessen der Commerzbank, der Aktionäre und des deutschen Steuerzahlers und habe damit gegen die Unternehmenstreue verstoßen.

"Ernste Verschlechterungen"

Als weitere Begründung für das Einbehalten der Boni führt die Commerzbank die gerade noch verhinderte Pleite der Dresdner Bank an. "Die Finanzpositionen der Dresdner Kleinwort erlitten in den letzten Handelstagen des Jahres 2008 ernste Verschlechterungen", heißt es. "Die Eigenkapitalquote der Dresdner sank unter die aufsichtsrechtliche Mindestanforderung auf 3,7 Prozent."

Noch am 19.Dezember hatte die Commerzbank die Bonuszahlungen an die Mitarbeiter in einem Schreiben bestätigt. Erst in den Tagen danach sollen die Verluste der Dresdner exorbitant gewachsen sein. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass die hohen Verluste erst in der letzten Dezemberwoche sichtbar wurden. Das sollte früher passiert sein", sagt Dieter Hein, unabhängiger Bankenanalyst bei Fairesearch.

Wenn sich die Lage allerdings wirklich so kurzfristig zuspitzte, wirft das kein gutes Licht auf den damaligen Dresdner-Eigentümer, die Allianz. "Die Risikoabteilung der Allianz hat die Dresdner-Bank-Risiken täglich bewertet", sagen frühere Investmentbanker der Dresdner Kleinwort. "Generell kann man sagen, dass die Allianz entweder das Risikomanagement nicht im Griff oder die Dresdner schon aufgegeben hatte", sagt Analyst Hein. Der Verkauf an die Commerzbank wurde Ende August 2008 vereinbart, um dann Monate später umgesetzt zu werden - ein Vakuum entstand. "Dann ging es die Allianz nichts mehr an, und die Commerzbank konnte noch nichts machen", sagt Hein.

Mittlerweile führen 23 frühere Mitarbeiter der Dresdner Kleinwort Klagen gegen die Commerzbank. Das Institut hatte mit der Übernahme Bonus-Verpflichtungen von 400MillionenEuro übernommen. 25 Prozent der Commerzbank gehören dem Bund. Die Bonuszahlungen sind deshalb ein Politikum. Die Dresdner Bank machte 2008 6,3 Milliarden Euro Verlust. Einige Investmentbanker argumentieren, ihre Geschäftsbereiche hätten hohen Profit gemacht. In der Schweiz soll es zu Vergleichen gekommen sein.

© SZ vom 04.07.2009/hgn

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