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Währungsgemeinschaft:"Es geht bergauf"

Pall Vilhjalmsson geht das zu weit. Der hochgewachsene Lehrer und Strickjackenträger steht an der Spitze derjenigen, die sofort aufhören wollen, überhaupt zu verhandeln, 5500 Mitglieder hat seine Truppe. Als Island noch zum dänischen Königreich gehörte, vor mehr als hundert Jahren, habe man schlechte Erfahrungen gemacht, erklärt er. Seit 1944 sei Island endlich Republik, und nun wieder dabei, sich "ausländischen Mächten" zu unterwerfen, nämlich der Europäischen Union. Vilhjalmsson sagt: "Wir haben nur ein Ziel, Island aus der Europäischen Union herauszuhalten."

Dass Island auch aufgrund fehlender Expertise und neutraler Aufsicht in das Desaster rutschte, ficht ihn nicht an. Auch nicht, dass das Land deshalb noch immer gelähmt ist. Die Inflation liegt wieder bei fünf Prozent, Tendenz steigend. Das Land, das früher kaum Arbeitslose oder Staatsschulden kannte, muss jetzt eine Quote von sieben Prozent und einen Schuldenstand von 100 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verkraften.

Gut ausgebildete Menschen verlassen die Insel. Die Investitionsquote liegt auf einem historischem Tief, die Banken sind gelähmt, die Ausfuhr von Kapital strikt verboten.

Finanzminister Steingrimur J. Sigfusson versucht, optimistisch zu sein. Im Juli habe Island das erste Mal seit 2006 eine Staatsanleihe begeben und eine Milliarde Euro eingenommen, zu guten Konditionen. "Es geht bergauf", sagt der linke Grünen-Politiker, der seit den Neuwahlen 2009 als Juniorpartner der regierenden Sozialdemokraten das Ressort leitet.

Dann erzählt er: Dass Reykjavik damals 2008 - anders als später Irland oder Griechenland - entschied, nicht die Schulden der drei großen Banken zu übernehmen, sei nicht die Folge eines klugen freien Beschlusses, sondern einer Zwangslage geschuldet gewesen. "Die Verbindlichkeiten lagen zehnmal so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt, das hätten wir nie zahlen können".

Mittels eines Notgesetzes der Regierung wurden die drei Pleite-Banken jeweils in eine neue unbelastete Geschäftsbank und eine Bad-Bank gespalten. Die Regierung übernahm zweimal die Mehrheit und einmal eine Minderheit der Anteile der neuen Banken. Derzeit streitet sie mit Großbritannien und den Niederlanden, die die Einlagen ihrer Bürger und anderer Großinvestoren zurück haben wollen. Island will nur die Einlagen der Bürger zahlen, der Gerichtshof soll entscheiden.

Zwar ist Arnbjörnsson nicht allein mit seiner Sehnsucht nach dem Euro. Er spricht für 100 000 Angestellte im öffentlichen Dienst und in privaten Unternehmen, so viele Mitglieder hat seine Gewerkschaft, das ist knapp ein Drittel der Bewohner der Insel im Atlantik.

Dennoch beschleicht ihn derzeit ein flaues Gefühl. Die Isländer lehnten in zwei Referenden ab, britische und holländische zu entschädigen - obwohl das gesetzlich festgelegt ist. "Da kann sich jeder das Ergebnis vorstellen, wenn wir als Euro-Mitglied darüber abstimmen müssten, die Rechnung der Griechen zu bezahlen".

© SZ vom 22.09.2011/kahe

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