US-Schuldenkompromiss: Reaktionen Ratingagenturen warnen die USA

Schuldenkompromiss unterzeichnet, Abwertung abgewendet? Nach der Einigung von Demokraten und Republikanern in den USA melden die Ratingagenturen Zweifel an. Moody's und Fitch lassen die Bestnote stehen, drohen aber weiter, langfristig die Bonität des Landes herabzustufen. An den Börsen setzt sich der Abwärtstrend fort.

Es ist noch nicht genug: Wenige Stunden nachdem US-Präsident Barack Obama das Gesetz unterzeichnet hatte, äußerten die Ratingagenturen Moody's und Fitch ihre Meinung zum Schuldenkompromiss: Die hart verhandelte Vereinbarung werde mittelfristig nicht reichen, um die Bonitätsspitzennote der USA zu sichern.

Sie hatten den Druck im Kessel erhöht, nun zeigen sich die Ratingagenturen mit dem jüngsten Kompromiss nicht zufrieden.

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Zwar sind sich beide Agenturen einig, dass der Kompromiss ein wichtiger erster Schritt sei - sie bewerten die Kreditwürdigkeit der USA nach wie vor mit der Bestnote "AAA". Doch Moody's schätzt die künftige Entwicklung negativ ein. Sollte die Haushaltsdisziplin in den USA im kommenden Jahr nachlassen oder 2013 weitere Konsolidierungsmaßnahmen ausbleiben, würde das Risiko einer Herabstufung bestehen. Dies drohe auch, wenn sich die Konjunktur weiter verschlechtere.

Fitch forderte weitere Vorschläge zur Reduzierung des Defizits ein. Die USA müssten die Schuldenentwicklung scharf im Auge behalten. Die Agentur behält sich zudem vor, die Bonität der Vereinigen Staaten Ende August herabzustufen. Dann wird Fitch seine Überprüfungen abgeschloßen haben.

Moddy's hatte bereits während den Verhandlungen zur Erhöhung der US-Schuldengrenze unverhohlen eine Drohung ausgesprochen: sollten der US-Kongress bei seinem Streit um die Schuldengrenze nicht zu einer Einigung kommen, würde Moodys die Bestnote "AAA" in Frage stellen.

Gespannt wird nun auf eine Äußerung von Standard & Poor's gewartet. Viele Finanzmarktteilnehmer hielten eine schlechtere Bewertung durch S&P für eine realistische Möglichkeit, sagte Finanzanalyst Gennadiy Goldberg von 4Cast Ltd. Standard & Poor's hatte Mitte Juli erklärt, die Finanzsituation der USA noch genauer zu beobachten. Die Chancen einer Herabstufung in den kommenden drei Monaten stünden bei 50 zu 50.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat indes die Einigung im US-Schuldenstreit begrüßt. Die Unsicherheit der Märkte sei reduziert, die Kreditwürdigkeit gestärkt. "Diese Vereinbarung ist gut für die USA und die Weltwirtschaft", meinte IWF-Chefin Christine Lagarde. Dennoch plädierte auch sie für weitere Einsparungen.

Wie die Ratingagenturen sind auch die Märkte nervös - trotz der Einigung in der amerikanischen Politik: Die New Yorker Börse schloss am Dienstag deutlich im Minus. Der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte verlor 2,2 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging um 2,7 Prozent zurück.

"Der Markt konzentriert sich nun ganz auf die schwächelnde Wirtschaft", sagte ein US-Finanzmarktexperte. Anleger ziehe es deshalb zu vermeintlich sichereren Anlagen. Gold erreichte ein neues Rekordhoch, auch Schweizer Franken und US-Staatsanleihen waren begehrt.

Nach den negativen Vorgaben aus New York hat auch die Börse in Tokio am Mittwochvormittag starke Verluste verzeichnet. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktien notierte zur Handelsmitte bei einem Minus von 2,2 Prozent. Der breiter gefasste Topix-Index gab um 2,05 Prozent nach.